Schreibwettbewerb – Runde 2

Und damit geht es auch schon in die zweite Runde. Eure Texte in der ersten Runde waren wirklich schön und ich war ziemlich gespannt wie ihr jetzt die Aufgabe umsetzt.
Leider haben es nicht alle geschafft rechtzeitig einen Text einzureichen, deshalb sind wir jetzt nicht 12 Leute sondern nur noch 10
Aber das ist auch kein Problem. Unten werdet ihr also wieder alle Texte finden, die ihr dann bitte bewertet. Für das bewerten habt ihr Zeit bis Samstag mittag um 12:00. Kurz danach werde auch ich wieder meinen Kommentar, die Auswertung und die nächste Aufgabe posten. Diese Runde werden uns 3 Autoren verlassen.
Jetzt erstmal viel Spaß.

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  1. Wunder? Wirklichkeit ?Konturen eines Lebewesens,
    nur schwach zuerkennen,
    versteckt hinter Bäumen.
    Hinter Bäumen die hoch gewachsen,
    Bäume mit goldenen Blättern.
    Was ist das für ein seltsamer Ort?
    Noch nie gesehen so eine Pracht,
    nie gesehen solche Schönheit.
    Farben die meine Augen das erste Mal erblicken.
    So eine Wärme,
    so ein wohliges Gefühl.
    Noch nie so intensiv gespürt.
    Was ist das, was mich durchgeströmt?
    Es ist nicht unangenehm.
    Nein, eher schön.
    Seltsam wunderbar.
    Wie dieser Ort.
    Unerklärlich.
    Unbeschreiblich.
    Fast schon unmöglich.
    Eine leichte Brise lässt die goldenen Blätter rascheln.
    Das Gras unter den Füssen ist ganz grün und frisch und duftet.
    Der Duft bringt mich zum Träumen.
    Schließe die Augen,
    sehe nichts.
    Spüre nur den leichten Wind,
    der durch mein Haar weht.
    Sonst ist alles still,
    höre nur meinen Herzschlag,
    der zeigt mir das ich lebe.
    Ich öffne die Augen,
    sehe die Bäume,
    sehe eine hochgewachsene Gestalt.
    Versteckt sie sich vor mir?
    Hat sie Angst?
    Ist sie unsicher?
    Sogar schüchtern?
    Was hält sie fern von mir?
    Sie ist weit entfernt von mir.
    Erkenne nur Konturen.
    Groß ist sie die Gestalt.
    Erkenne strahlende Augen,
    unentschlossen blicken.
    Sehen verunsichert aus.
    Als könnten sie sich nicht entscheiden.
    Stehen bleiben?
    Oder zu mir gehen?
    Ins Ungewisse.
    In die Zukunft.
    Die Gestalt bleibt einfach stehen,
    rührt sich nur wenn ich auf sie zugehe.
    Aber dann zurück.
    Schaut mich doch liebenswert an,
    ihr Blick ist so offen.
    Aber doch zurückhaltend.
    Das rascheln der Blätter,
    diese goldene Farbe,
    diese unberührte Natur,
    diese Emotionen.
    Diese fremdartige Gestalt.
    Alles wie im Traum,
    als wäre es nicht wirklich.
    Wirklichkeit?
    Erlebe ich es grad?
    Was denkt diese Gestalt?
    Was denkt sie über die Bäume,
    über den Wind,
    über diesen Duft?
    Was denkt diese Gestalt über mich?
    Wir sind uns so fremd,
    aber doch bedeutend sie mir schon viel.
    Ihr Bild ist in meinem Kopf.
    Muss sie immer anschauen.
    Vergesse alles andere um mich.
    Die Blätter,
    diese goldene Farbe,
    diesen Duft,
    das grüne Gras.
    Einen Moment der Ewigkeit.
    Gefangen in diesem Bild.
    Wohin schaut die Gestalt?
    Blickt mir in meine Augen,
    dann betrachtete sie wieder diese Farbenpracht.
    Ihre Blicke wandern,
    können sich nicht entscheiden.
    Geduldig schaue ich sie an.
    Beobachte immer genau.
    Ein Glanz geht von dieser Gestalt aus.
    Kann ihn nicht beschreiben.
    Eine unbeschreibliche Anziehungskraft.
    Wende nun aber doch meinen Blick wieder ab.
    Betrachte das Wunder,
    die Pracht.
    Diese Welt,
    eine Welt für Menschen nicht zugänglich.
    Diese Welt geschaffen aus Magie,
    umgeben von Magie.
    Die Heimat dieser Gestalt.
    Jedoch nicht meine.
    Die Gestalt selbst von Magie umgeben,
    zieht mich magisch an.
    Doch ich bleibe stehen,
    meine Augen lassen nicht ab,
    von der Natur.Von dem Wunder.
    Wie ich,bewundert die Gestalt die Umgebung.
    Doch uns, beachten wir nicht mehr.
    Ich wende mich ab,
    lass die Gestalt hinter mir,
    um mich herum sind die Farben,
    betrachte sie weiter.
    Mit langsamen aber sicheren Schritten entferne ich mich,
    lasse diese Wirklichkeit hinter mir.
    In meinen Erinnerungen,
    in meinen Gedanken,
    in meinem Herzen,
    ist die Gestalt auf Ewigkeit wichtig.
    Ich spüre wie mein Herz schwer wird,
    wie mir Tränen in die Augen schiessen.
    Je weiter ich mich entferne,
    ein unbekanntes Gefühl,
    so unangenehm,
    so wirklich.
    Die Bäume und die Pracht hinter mir gelassen,
    ich dachte nur weitergehen.
    Rascheln gehört,
    Schritte vernommen,
    stehen geblieben.
    Zögernd langsam umgedreht,
    zurück geschaut.
    Da steht sie,
    die Gestalt in ihrer ganzen Größe.
    Ich schaue zum Himmel,
    es wird dunkel,
    die Nacht bricht herein.
    Ein letztes mal die Augen schließen,
    nichts sehen,
    nichts spüren,
    alles vergessen.
    Augen öffnen,
    alles kehrt zurück,
    zurück in die Gegenwart.
    In die Zukunft gehen,
    das Leben leben.
    Den Herzschlag spüren.
    Hoffnungsvollen Blicken treffen sich,
    voller Fragen,
    ohne Antworten.
    Ich kehre zurück,
    zurück in die Wirklichkeit,
    in mein Leben,
    ohne Magie.
    Überlasse der Gestalt,
    die Nacht zwischen Bäumen,
    gehe zurück in den Tag,
    in meine Wirklichkeit.
    Zu stark für den Tag Und zu schwach für die Nacht.
    Einen schönen Moment hinter mir lassen.
    Vielleicht kehrt er zurück.
    Vielleicht neu erleben.
    Die Gestalt nie vergessen.
    Aber doch gewonnen hat die Wirklichkeit.

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2.

Stille

 

Das Mädchen, ich spüre es. Jeden Atemzug, jede Bewegung.

Sie läuft, rennt schon fast.

Irgendwas bedrückt sie, ich merke es.

Ihre Haare wehen, ihr Kleid flattert.

Sie ist einsam.

Jetzt rennt sie, weiter und weiter, schneller und schneller.

Sie rennt vor irgendwas davon.

Sie hat Angst davor.

Aus dem Dorf, Richtung Meer.

Das Meer! Es bedeutet ihr etwas.

Fast hat sie es erreicht. Ich bin schon dort.

Sie hat es geschafft, rennt ins Wasser, stoppt, als das Wasser ihre Knöchel erreicht.

Sie schreit auf.

Der Schmerz muss unerträglich sein.

Ich spüre Mitleid in mir, aber wo kommt es her? Ich habe keine Gefühle.

Sie sinkt auf die Knie, ein Zittern durchzuckt sie.

Sie drückt ihre Hände auf die Augen und die Ellenbogen auf die Oberschenkel.

Tränen laufen über ihre Wangen. Schnell lasse ich sie trocknen.

Ich weiß nicht wieso, aber ich kann sie nicht weinen sehen.

Das Wasser schwappt über sie.

Sie hustet.

Sie kann nicht mehr.

Sie schreit ins Nichts: ,,Warum?”

Ich spüre ihren Schmerz.

,,Warum hast du ihn mir genommen?”

Sie hat ihn verloren.

Jetzt erreicht mich auch ihre Trauer.

Ich spüre es genau, weiß aber nicht, was passiert ist.

Jetzt schreit sie das Meer an.

,,Warum hast du ihn mir genommen? Warum? Er hatte Familie! Er hatte Freunde…er hatte mich!”

Jetzt weiß ich, was passiert ist.

Ich spüre, wie ihr Schmerz in mich übergeht, ich weiß, wen sie verloren hat und vor allem wie.

Ich verbinde mich mit dem Wasser, sehe wie das Boot sinkt und wie er leise, still und heimlich, untergeht.

Er ertrinkt. Keine Schmerzen, kein Gefühl. Er ist tot.

Einfach so, tot.

Sie konnte ihn nicht einmal mehr sehen.

Sie tut mir so unendlich leid, aber ich kann es nicht ändern, wie auch?

Erneut schreit sie auf.

Ich könnte ihr den Schmerz nehmen, aber was würde es bringen?

Ich könnte sie ebenfalls ertrinken lassen, aber was würde es bringen?

Sie nimmt mir die Entscheidung ab, steht auf und geht Richtung Klippe.

Ich begreife erst, als sie oben am Rand steht, was sie vor hat.

Ich möchte sie davon abhalten, doch ich kann nicht.

Es ist ihr Recht, es zu tun.

Ich umgebe sie. Sie atmet noch einmal tief durch und macht einen Schritt nach vorne,

Sie fällt, schreit nicht, sondern fällt einfach.

Genau wie er geht sie still und leise unter, als sie auf das Wasser trifft.

Jetzt bin ich ebenfalls im Wasser, drücke sie runter.

Sie leistet keinen Widerstand.

Ich spüre, wie ihr Herz aufhört zu schlagen, sie entgleitet dem Leben, genau wie er.

Ich hätte es verhindern können, ich hätte ihn retten können, aber ich war nicht da.

Ich habe ihn sterben lassen und sie habe ich umgebracht.

Ich hatte die Macht dazu, denn ich war da.

Und ich werde überall sein, denn ich bin der Wind, die Luft und der Sauerstoff zugleich.

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3.

Versteck:

ich renne, meine Beine tragen mich wie von selbst, da ich kaum einen vernünftigen Gedanken zu Stande bekomme. Meine Augen sind durch Tränen verschleiert und ich nehme kaum etwas von meiner Umgebung wahr. Ich komme an einer mir vertrauten steinernen Vordertreppe eines Hauses zur Rast. Als ich mich setze, erkenne ich verschwommen Umrisse, die sich auf mich zu bewegen. Sofort wische ich mir übers Gesicht und sehe, dass es meine kleine Schwester Rosé ist. „Er ist total wütend Jess.“ traurig guckt sie mich an. Ihre Angst um mich liegt so schwer in der Luft, dass man danach greifen könnte.

Nur langsam realisiere ich, wo genau wir uns befinden. Ich bin, wie so oft, automatisch zu unserem alten Grundstück gelaufen, das verlassen am Rande des Dorfes liegt. Hier erlebten meine Schwester und ich die tollsten Geschichten unserer Kindheit. Bis zu dem grauen Tag vor 5 Jahren, der unsere Eltern aus dem Leben riss und wir zu unserem Onkel ans andere Ende der Gemeinde ziehen mussten.

Das Haus wurde bis heute noch nicht weiter verkauft, da die Kosten für Reparaturen über die Jahre enorm geworden sind. Mein Glück, denn so kann ich mich hier im Garten und am angrenzenden Wald an früher erinnern und für einige Zeit der Realität entkommen.

Noch heute höre ich Rosés und Vaters Lachen, wie sie um unseren großen Schuppen fangen gespielt haben und Dad meine kleine Schwester oft gewinnen lassen hat. Ich saß dann meistens an meinem Lieblingsplatz, der Vordertreppe des Hauses und sah den beiden dabei zu. Von hier aus hatte man einfach die beste Aussicht auf den, von meiner Mutter so liebevoll gestalteten, Garten. Heute ist er verwachsen und von Unkraut übersät, aber in meiner Vorstellung blüht er genauso wie damals. Während wir 3 draußen waren, stand meine Mutter in der Küche und backte frischen Obstkuchen für uns. Als ich  dann immer schon diesen süßen Geruch vernahm, wusste ich, dass meine Mutter sich gleich zu mir setzen würde.

Manchmal, wenn ich mich ganz fest darauf konzentriere, kann ich ihn in meiner Vorstellung immer noch den frisch gebackenen Kuchen riechen und werde ruhiger. Heute klappt es leider nicht.

„Jess, er wird sich denken, dass du hier her gelaufen bist und ist sicher schon auf der Suche. Wenn er dich hier weinend sitzen sieht, wird er nur noch rasender.“ Rosé steht jetzt direkt vor mir, ihr Gesicht schmerzlich verzehrt. Sie fühlt sich schuldig, weil ich sie wieder nur beschützen wollte.

Es ist uns verboten in das Arbeitszimmer unseres Onkels zugehen. Eigentlich ist uns so ziemlich alles verboten. Meine kleine Schwester brauchte neues Papier für eine Hausaufgabe und da sie sonst nirgends im Haus welches finden konnte, versuchte sie es im Arbeitszimmer. Dabei fiel ihr ein Pokal unseres Onkels herunter und ging zu Bruch. Als er das Schlamassel entdeckte und uns zur Rede stellte, nahm ich alles auf mich. Ein paar Sekunden später spürte ich einen zwiebelnden Schmerz auf meiner rechten Gesichtshälfte. Mein Onkel gab mir, wie so oft, eine Backpfeife. „Du bist genauso so ein Nichts Nutz wie deine Mutter. Es sollte mich nicht wundern, wenn dir das gleiche Schicksal widerfährt wie deinen Eltern.“ brüllte er. „Das Ganze war ein Unfall!“  schrie ich und rannte los, bis mich meine Beine zu diesem Ort führten, den einzigen Halt der mir blieb.

„Jess bitte komm schon, du musst hier weg, dich am besten entschuldigen, damit es nur halb so schlimm wird.“ Rosé stand kurz vor den Tränen.

„Ich will aber nicht! Ich will, dass es so wie früher wird, als wir mit Mom und Dad draußen im angrenzenden Wald Verstecken gespielt haben oder Pilze sammeln waren und dabei durch Pfützen sprangen, als gehöre uns dieser Ort ganz allein. Als wir abends immer vor unserem Feuerplatz standen um Marshmellows zu rösten und Lieder zu singen. Als…als es uns so vorkam.. als wäre die Zeit in diesem Moment stehen geblieben und die Zukunft ein wunderbares Geheimnis.“ gab ich mühsam unter einem neu aufkommenden Tränenschwall hervor. Meine Kleine Schwester sieht mir direkt in die Augen, ja wirkt fast schon erwachsen als sie die nächsten Worte spricht: „Es wird nicht mehr so wie früher werden Jess. Du machst es nur noch schlimmer, in dem du jeden Tag an diesen Ort zurück kommst. Du gehst daran kaputt, ich mache mir Sorgen.“ „Aber genau hier im Garten kann ich Kraft tanken, hier bleibt mir die Möglichkeit die wunderbaren Erinnerungen noch einmal zu erleben, die uns aus dem Nichts genommen wurden. Schließe einfach deine Augen und lausche dem Wind, wie er durch das Laub raschelt. Ich stelle mir dann immer vor, dass es Mom und Dads Stimmen sind. Probier es einfach aus.“ sage und glaube tatsächlich meine Eltern zu hören, wie sie sagen, dass alles bald besser werden wird.

„Hör auf damit Jess! Langsam machst du mir Angst. Komm bitte wieder mit zurück.“ Ich höre die Verzweiflung in ihrer Stimme, denn Dieses war das erste Mal, dass ich unserem Onkel widersprochen habe und offiziell davon gelaufen bin. „Bitte!“

„Nein Rosé! Von mir aus kann unser Onkel vor Wut platzen. Ich bleibe hier bei Mom und Dad. Du solltest gehen, wenn du nicht auch noch Ärger bekomme willst.“

Rosé guckt mich einen Moment lang intensiv an. Ich weiß, dass ihre Angst vor Konsequenzen größer ist, als ihr Wunsch sich in Erinnerungen zu vergessen. „Na gut, wie du willst.“ Mit diesen Worten dreht sie sich um und stampft den gepflasterten Weg zur Auffahrt entlang, bis sie durch das, von Blumen und Planzen überwachsene Eingangstor geht und ich sie aus den Augen verliere.

Ich sitze noch eine Weile auf der Treppe und lausche den Geräuschen der Natur. Durch den leichten Wind und das Rascheln der Blätter komme ich zur Ruhe. Ab und an höre ich auch Vogelgezwitscher und stelle mir vor sie singen nur für mich und meiner Trauer um Mom und Dad. Ich habe jegliches Gefühl für Raum und Zeit vergessen und merke wie es langsam kühler wird. Aber das ist mir egal. Nach einigen Minuten oder waren es vielleicht Stunden oder nur Sekunden holen mich Motorgeräusche und quietschende Reifen aus meinen Gedanken in die Realität zurück. Er kommt. Ich stehe abrupt auf und blicke Richtung Wald, der eine Ruhe und gewisse Sicherheit ausstrahlt. Ich atme noch einmal tief durch, dann renne ich los. Ich habe Lust mal wieder Verstecken zu spielen. Ich kenne mich hier in diesem Teil des Waldes besser aus als er. Vielleicht fühlt es sich für einige Momente genauso an wie früher.

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4.

zeitkapsel oder regenbogenfreundschaft

 

Der Dreck, der unter meinen Fingernägeln klebte war mir egal.

Der Regen prasselte auf mich nieder und vermischte sich mit meinen Tränen.

Der kalte Wind blies mir ins Gesicht.

Es war mir egal.

Ich drückte die Dose an meine Brust und das war alles was zählte.

 

WIR. Du weißt wo. Sie ist immernoch da und ich glaube du brauchst sie jetzt!

 

Ich roch den Regen noch bevor er auf die Erde prasselte, es war ein weiterer Tag ohne dich. Es schmerzte, mehr als sonst. Ich hatte deinen Zettel so lange ignoriert, doch heute ging es nicht anders ich musste wissen, ob sie noch da war. Ich war in den Wald gelaufen, zu unserem Platz. Zu dem Baum, in den wir unsere Initialien geritzt hatten, zu dem Tipi, welches wir aus Stöcken gebaut hatten. Der Duft des Waldes schmerzte, ich hatte ihn so lange gemieden, so lange hatte ich versucht zu vergessen. Dich zu vergessen. Und dann saß ich da, kniete auf dem feuchten Waldboden und grub wie eine Irre in der Erde herum. Der Regen prasselte auf mich nieder.

Du hast Regen geliebt. Weißt du noch wie wir im Regen getanzt haben, im Herbst, wie die Blätter auf uns herabfielen, weißt du noch?

Der Dreck klebte unter meinen Fingernägeln und ich grub weiter, grub weiter bis ich die Dose in der Hand hielt. Ich nahm sie aus dem Erdloch und drückte sie an meine Brust. Die kleine unscheinbare rote Brotdose, die wir vor so vielen Jahren dort vergraben hatten. Damals warst du noch glücklich gewesen. Du hast gelacht, dumme Sachen gemacht und du hast den Regen geliebt.

Hörst du, du hast den Regen geliebt! Nun saß ich da, im Regen, alleine mit unserer Box in der Hand. Nur die Tropfen und Bäume leisteten mir Gesellschaft.  Mein Blick glitt rüber zu unserem Tipi, ein paar Stöcke fehlten an den Seiten, doch die Fahne an der Spitze hielt immernoch jedem Wetter stand: „Zeitmaschine“, stand darauf geschrieben. Ich musste lächeln, es war so lange her. Du hättest bestimmt gewollt, dass ich hinein gehe und so wagte ich es aufzustehen, zum Tipi zu gehen und mich hinein zu setzen. Drinnen hörte man den Regen noch lauter, man hörte wie er auf die Äste des Tipis platschte, doch er drang nicht hinein. Noch immer hielt ich die Dose in der Hand, meine Hände zitterten als ich sie auf den Boden stellte. Vorsichtig öffnete ich sie. Die Dose war fast leer, drei Zettel lagen auf ihrem Boden, doch all unsere Erinnerungen waren verschwunden. Du hattest sie rausgenommen, das Glas mit dem ersten Regen des Jahres, das Glas mit dem ersten Sonnenschein des Jahres, unsere Haarsträhnen, das Bild wie wir auf dem Baum hinter unserem Tipi saßen, einfach alles. Ich durfte dir jetzt nicht böse sein, nicht jetzt, nicht jetzt, denn du konnte nichts sagen, nicht lachen, nicht wütend sein, du konntest nichts, nichts mehr. Also nahm ich den ersten Zettel, faltete ihn auseinander. Ich lachte, lachte so laut wie schon lange nicht mehr, ich lachte und weinte, mein Herz zerbrach und wurde wieder zusammengeflickt. Auf dem Zettel war das Bild eines Regenbogens abgebildet, darunter stand: „Für meinen Sonnenschein! Zusammen  sind wir ein Regenbogen.“, das hattest du mir immer gesagt, immer und immer wieder, „das darfst du nicht vergessen“, hast du gesagt und mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht gestrichen. „ Ich habe es nicht vergessen“, flüsterte ich in die Leere hinein, „Niemals“. Dann griff ich wieder in die Dose zwei Zettel waren noch übrig, ich nahm sie in die Hand, sie waren von außen beschriftet. Auf dem einen stand: „für das Ende“, auf dem anderen stand: „für den Anfang nach dem Ende“.

Ich war am Ende, ich denke das hattest du gewusst, also faltete ich den ersten Zettel auf und las:

Sonnenschein!

Steh auf! Der Abgrund wird dich verschlingen.

Werde zur Sonne, du bist nicht länger nur ihr Schein!

 

Vielleicht musste ich wirklich aufstehen, für mich, für dich, nur um dir zu zeigen das ich es noch konnte, dass ich noch stehen konnte, ohne, dass du mir hochhalfst. Ich wollte es schaffen für dich, für uns beide. Der letzte Zettel lag immernoch in meiner Hand. Es war wohl an der Zeit auch ihn zu öffnen.

 

Sonne!

Du darfst noch immer weinen, doch wir sind jetzt wahrhaftig ein Regenbogen.

Sonne und Regen.

Ich bin noch da, pass auf dich auf, meine Sonne, ich passe auch auf dich auf, versprochen!

Und jetzt raus in die Welt mit dir!

Scheine! Strahle! Hoffnung!

 

Tränen liefen über mein nasses Gesicht, Tränen, die ich nicht einmal zuordnen konnte. Ich legte die Zettel zurück in die Box und verschloss sie wieder. Du warst immmernoch da, aber wo? Und erst da begriff ich, du warst da, die ganze Zeit, den ganzen Morgen hattest du mich begleitet und mich nicht losgelassen. Du hast zwar nicht neben mir gesessen und mich festgehalten, aber du bist da gewesen.

Du hattest den Regen geliebt, weißt du noch?Jetzt warst du der Regen.

Der Regen prasselte noch immer auf die Erde nieder und ich würde mich nicht mehr vor ihm verstecken.

Ich tanzte im Regen, breitete die Arme aus, schloss ihn in eine Umarmung, schloss dich in eine Umarmung. Ich lachte und weinte zugleich. Ich weinte um dich, lachte für dich, tanzte mit dir. Du würdest nicht mehr zurückkommen, das wusste ich, doch der Regen würde mir immer wieder Stücke von dir auf die Erde zurückbringen. Ich tanzte, lachte, weinte, bis der Regen langsam aufhörte und Sonnenstrahlen wich.

Ein Regenbogen.

Wir, ein Regenbogen.

Hoffnung.

 

Du hast die Sonne geliebt, weißt du noch? Denn du hast mich geliebt.

Ich habe den Regen geliebt, weißt du noch? Denn ich habe dich geliebt.

Wir haben den Regenbogen geliebt, weißt du noch? Denn wir haben uns geliebt.

 

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5.

Nur ein Wald

 

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald voller Stille

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald voller Geheimnissen

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald der schöner ist als alle anderen

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald mit so viel Desinteresse an mir

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald mit ganz vielen grünen Blättern

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald den ich das erste Mal sehe

Ich stehe hier im Wald

Ein Wald der es nicht zu schätzen weiß das ich hier stehe

Ich stehe nicht mehr im Wald

DER Wald der mir nicht aus dem Kopf geht

Der Wald kommt dir bekannt vor?

Der Wald bist du

 

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6.

 Glück und Traurigkeit

 

 

Die Blätter rauschen im Wind und die Sonne kitzelt meine Nase.

Unter mir leuchtet das Grün der Wiese.

Ich schaue nach oben und über mir kreisen ein paar Vögel.

Ich schaue von meinem Hügel hinab und schaue über das nun so kleine Dorf.

Ich breite meine Arme aus und schließe meine Augen.

Ich hebe leicht den Kopf

Ich nehme einen tiefen Atemzug der frischen Luft.

Ich genieße den Wind der um mich herum spielt.

Aufeinmal verdunkelt sich alles.

Ich öffne die Augen, die Vögel sind verschwunden.

Der erste Regentropfen fällt mir ins Gesicht.

Ich lasse meine Arme sinken.

Der Regen wird immer stärker.

Alle Geräusche um mich verstummen.

Nur der Regen rauscht weiter.

Es ist als würde der Regen alles wegspülen.

Erst ist da die Sonne.

Dann kommt der Regen.

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7.

Regennasse Tränen weinen

 

Seit Tagen regnet es nun schon. Die Erde ist schon ganz aufgeweicht und matschig und auf den Straßen sind schlammige Pfützen. Die Bäume lassen ihre Äste hängen und bilden unter sich ganz eigene Seen. Die Blumen ertrinken langsam, aber sicher und verlieren immer mehr ihrer ehemals wunderschönen Blütenblätter. Und ich… ich sitze hier, gefangen hinter dem Fenster, und hoffe, dass es bald ein Ende hat. Die dicken Regenwolken drücken nämlich jede Freude nieder und lassen uns Menschen innehalten.

Tag und Nacht, Nacht und Tag. Alles verschwimmt zu einer einzigen dunklen Brühe. Wenn man aufwacht, sieht es noch genauso aus, wie, als man sich hingelegt hat. Das Fernsehprogramm läuft schon seit dem ersten Tag nicht mehr. Das Gewitter stört das Signal. Wir werden gezwungen miteinander zu reden. Doch auf das, was ich sage, hört keiner. Für sie bin ich ganz einfach verrückt. Aber das bin ich nicht.

Wenn sie auch aus dem Fenster schauen würden, würden sie sehen, dass die Welt weint. Sie weint um sie. Diese großen Regentropfen, die schön im Rhythmus auf die Erde fallen, sind Tränen, die wegen uns geweint wird. Weil wir gegen den Frieden arbeiten und für das Geld.

Nicht ein kleines Tierchen ist da draußen unterwegs. Alle haben sich verkrochen. Sie wollen das nicht sehen. Ihre Heimat, die weint. Wenn es noch lange so weiterregnet, werden sie die ersten sein, die sterben müssen. Ein paar Leben mehr, die wir auf unserem Gewissen haben. Von Tag zu Tag häufen sie sich. Und bald sind es so viele, dass wir sie alleine nicht mehr tragen können und zusammenklappen.

Immer mehr Regentropfen fallen auf die Erde. Jedes Mal spritzt es hoch, sodass es aussieht, als wäre am Boden reiner Schlammregen. Jetzt hat keine Blume mehr ihr schönes Kleid und die Äste mancher Bäume streifen schon beinahe den kleinen See am Stamm. Die Trauer der Erde drückt sie zu Boden.

Wird es jemals aufhören? Wird unser blauer Planet jemals wieder Hoffnung darauf schöpfen, dass wir Menschen uns bessern? Oder ist es bereits zu spät?

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8.

Luna
„Ich gehe.“
Worte, die mich zerstört haben.
Und wie ein Feigling bin ich weggelaufen.
Hinter das Haus, direkt in das nasse Grün des Waldes.
Meine Schritte sind lautlos unter dem Regen.
Man hört nur das Rauschen des Wassers auf trockenen Blättern.
Ich gehe immer tiefer in das Gestrüpp hinein, muss einfach weg.
Ich kann nicht bleiben, wenn ich es täte würde es mich noch mehr schmerzen.
Unerträglich würde es sein.
Sie wird weg sein.
Kein Gesang mehr zum Aufstehen, keine Worte der Liebe.
Für immer.
Doch in letzter Zeit war es mehr Streit als Lachen gewesen.
Aus dem Gesang waren Schreie geworden, die Liebe ließ sich selten fühlen, obwohl sie doch bis
jetzt hier ist.
Noch immer das flatterhafte Gefühl in der Brust, wenn ich sie sehe. Die schwitzigen Hände, wenn
wir uns nah waren, kurz davor sie zu berühren.
Doch alles nun betrübt von Bitterkeit.
Ich hatte es endgültig verbockt.
Zu viele Gemeinheiten, zu vergessen die Gefühle.
Der Wald ist nun der einzige Ort, an dem ich nicht das Gefühl habe versagt zu haben.
Der Geruch nach Moos vernebelt meine Sinne und lenkt meine Gedanken in neue Bahnen.
Ein Ast knackt hinter mir und ich bleibe stehen.
Jemand ist hier.
Vorsichtig drehe ich mich um.
Und dann sehe ich ihn.
Das vom Regen strähnige Fell.
Wie das wenige Licht am Himmel das graue Fell glänzen lässt.
Langsam stapft er durch den Matsch, kümmert sich nicht darum, wo er hingeht.
Er weiß, was er tut. Er ist sich sicher, er schlägt den richtigen Weg an.
Ich bin erstarrt und sehe ihn an.
Gefahr. Er strahlt nichts außer dominierende Gefahr aus.
Als könnte er jeden, dem er begegnet innerhalb von Sekunden auf die Knie zwingen.
Wenn ich mich jetzt bewege, bemerkt er mich und dann liege ich vor ihm.
Plötzlich bleibt er stehen.
Das Gras um ihn ist plattgetreten, die Baumkronen sind löchrig, beinahe kaputt.
Und er sitzt in der Mitte, richtet seinen Blick simpel gen Himmel.
Der Himmel ist weiterhin schwarz, lässt kein Fünkchen an Freude über dem Wald erstrahlen.
Doch dann scheint Licht vom Himmel.
Die grauen dichten Wolken ziehen vorbei und Mondlicht erhellt den durchnässten Waldboden.
Und damit beginnt er zu heulen.
Markerschütternde Geheule, das mir kalt den Nacken nach oben schießt.
Seine gelben Augen richten sich auf den Mond und er jault lauter, als würde der Schmerz, wenn er
dem Licht der Nacht entgegen schaut, seinen ganzen Körper zerreißen.
Er fleht, der Mond würde ihm zuhören, ihm erhalten bleiben.
Immer weiter richtet er sich auf, als müsste er sichergehen dem Mond so nah zu kommen wie
möglich. Wäre er noch weiter getrennt würde er es nicht ertragen.
Von dem Bild vor mir getroffen, sinke ich auf die Knie.
Langsam wird der Wald von erneuter Dunkelheit umhüllt und er unterbricht sein Heulen nicht.
Die trübe Wolke von vorhin schiebt sich wieder langsam vor sein Licht.
Aus Angst es zu verlieren heult er immer und immer wieder, doch auch das geht.
Der starke, kaltblütige Wolf bricht unter seinem Geheule zusammen, fällt auf den Boden senkt den
Kopf.
Winselnd liegt er im Gras. Langsam hebt sich seine Brust, doch er steht nicht auf.
Er ist besiegt.
Schwach heult er ein letztes Mal nach dem Licht, doch der Wald ruht in Dunkelheit.
Tränen strömen meine Wangen hinunter.
Er hat einfach aufgegeben. Der große Wolf ist am Ende.
Ich will ihm entgegen rufen, der Mond sei noch da, er müsste ihn nur suchen, doch das tue ich
nicht.
Zitternd von der Kälte und einem Anschwall an Gefühlen, unterdrücke ich die Schluchzer in meiner
Kehle.
Warum bewegt er sich nicht wieder?
Wieso sucht er sich nicht eine neue Stelle um den Mond sehen zu können?
Ich empfinde Hilflosigkeit.
Doch er akzeptiert es einfach, dass sein geliebter Mond nicht da ist und er will es nicht anders.
Er sitzt da, vermisst sie, macht sich Gedanken, was er hätte anders tun können, statt dass er es
wirklich tut.
Aber das ist Schwachsinn. Wenn er jetzt nichts macht, ist sie weg.
Vielleicht für immer.
Er sieht sie heute nicht mehr wieder. Und morgen könnten wieder Wolken am Himmel stehen.
Doch er würde trauern. Nicht nach den Tagen suchen, an denen alles klar sein würde.
Und ich, ich stehe hier, im Wald, während sie von zuhause weggeht.
Sitze im nassen Geflecht aus Pflanzen und akzeptiere, dass sie uns verlässt; verliere mich in
meinem Selbstmitleid. Versuche es nicht einmal mehr.
Ich bin wie er.
Erkenntnis durchflutet mich und ich renne durch den Wald.
Ich will nicht so sein.
Es gibt einen Grund, warum es sich lohnt Ausschau zu halten und ich würde nicht auf dem
Waldboden sitze und mich gehen lassen.
Was für einen Sinn hat es nichts zu tun, wenn man es versuchen könnte und dafür alles
bekommen kann ?
Immer wieder stolpere ich über morsche Wurzeln, aber nicht einmal die spitzen Steine, die sich in
mein Fleisch graben halten mich auf.
Ich stürze mich auf die alte Lichtung und sehe von weitem schon das Licht.
Sie ist draußen, hat eine Reisetasche in der Hand, welche sie im Wagen verstaut.
„Luna, bitte nicht“, schreie ich.
Verwundert dreht sie sich in meine Richtung und ihre Augen werden größer, als sie mich wie ein
Verrückter aus dem Wald hechten sieht.
„Was…?“
Doch ich unterbreche sie, schlinge meine Arme um sie und drücke ihren zierlichen Köper an mich.
„Bitte geh nicht. Bitte.“
Ihr Körper ist verkrampft. Sie will nicht, dass ich sie festhalte, doch ich kann sie nicht gehen lassen.
Schluchzer durchbeben meinen Körper und ich bette meinen Kopf in die Kuhle an ihrer Schulter.
Immer wieder flüstere ich Entschuldigungen, bete, dass sie nicht gehen will.
Abermals versucht sie sich zu befreien, doch ich wäre ein Narr sie einfach loszulassen.
Umso länger ich sie halte, desto weicher wird ihr Körper und schlussendlich wirft sie sich in meine
Umarmung und stopft das Loch in mir.
Sie will bleiben.
Das Gewitter ist vorbei und der Vollmond erhellt den Himmel

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9.

Der Wald des Grauens

Ich verbinde viel mit der Natur. Schon seitdem ich ein kleines Kind bin verbindet mich etwas mit der Natur. Berge, Wälder und auch das Meer. Als ich klein war, gingen ich und mein Vater sehr oft an die Natur. Wir spazierten sehr oft durch einen Wald, der 30km von unserem Haus entfernt war. Das war ein großer Wald mit vielen Tieren wie Vögel, Ameisen und auch Hasen. Als ich die Hasen sah, freute ich mich immer besonders. Mein Vater ging meistens viele Schritte voraus, weil ich jedes Detail im Wald beobachtete. Ich sah mir die großen Bäume an. Ich stellte mir vor an einem Baumstamm zu sitzen und ein Buch zu lesen. Ich stellte mir vor hier mal einen Picknick zu machen. Dann rufte mich mein Vater immer wieder: „Na komm, der Wald ist groß genug.“ Und das stimmte. Der Wald war riesig, dass man sich sogar verlaufen konnte. Es ist genau so groß, wie der Wert des Waldes für mich, riesig. Mich verbindet viel mit dem Wald. Eines Tages, als ich ungefähr 12 war, fragte ich meinen Vater, ob wir im Wald spazieren gehen wollen und er antwortete: „Nein, der Wald ist gefährlich.“ In dem Moment habe ich es nicht verstanden, ich fragte nach: „Wieso gefährlich? Nur weil es so groß ist, wir verlaufen uns schon nicht. Du weißt doch, wir sind die Wald-Experten.“ Mein Vater schaute mich an und antwortete: „Nein, darum geht es nicht. Hör zu. Freitagabend wurde im Wald eine Leiche gefunden und die Polizei spricht nicht von einem Tierangriff. Der Zutritt für Besucher wird von nun an nicht mehr erlaubt.“ In dem Moment verstand ich alles. Es war für mich so, als hätte jemand Sand in meinen Eis gestreut. Der Wald war nicht mehr der Ort, wo ich herumlaufen und schöne Erinnerungen sammeln konnte, es ist ein grausamer Ort. Ein Ort, an dem das Leben eines Menschens beendet wurde. Ich wusste, dass ich nie wieder in den Wald gehen würde. Es wurde somit ein Teil von mir weggerissen. Ich wollte, dass ich aufwache und sage, dass das alles ein Traun ist, aber das war es nicht. Es war die Realität. Die Realität, die ich nicht ändern konnte. Es vergangen Monate, bis ich eines Tages beschlossen habe in den Wald zu gehen. Ich nahm nach der Schule den Bus und stieg in der Nähe des Waldes aus. Vor dem Wald sah ich einen Schild auf dem dick „Zutritt verboten“ stand. Ich beachtete den Schild nicht und ging in den Wald. Ich war bereits 5 Minuten unterwegs, als ich etwas sah, was mir meinen Atem gestockt hat.

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10.

In der Ferne

Unten am Fuß des Berges sehe ich hinauf. Knapp 3km hoch soll sie sein, die Zugspitze. Der höchste Berg Deutschlands. Und ich werde da hoch gehen, zu Fuß. Nervösität macht sich in mir breit, aber ein Blick zu meinem Vater reicht, um sicher zu sein, dass ich es schaffe. Mehrere Tage sollen wir unterwegs sein, durch Schnee stapfen. Es ist Hochsommer und ich werde durch den Schnee stapfen. Wie verrückt das ist, war mir vom ersten Moment an klar. Wenige Momente später beginnt unsere Reise. Von den sommerlich grünen und zum Teil bunt geblümten Wiesen bis hin zu eisigen Gletschern. Der Ausblick ist toll, sogar vom Fuß des Berges aus. Die Spitze verblasst im Nebel. Und vom Berg hinab sieht man nichts als ein Gemisch aus Farben. Ein Gemälde, gemalt mit Fingerfarben. Wir steigen höher und höher, und der Sommer, wird auf einmal zu dem kältesten Winter, den ich jemals gespürt habe. Meine Stiefel verschwinden bei jedem Schritt erneut im tiefen Schnee. Die Tage sind Sonnig und grell. Die Nächte sind Dunkel. Alles was man sieht, sind die Abertausenden Sterne am Himmel. Und der Mond. Der Mond ist toll. Er hat seinen Lebensrhythmus gefunden. Er ist groß. Hat eine starke Ausstrahlung. Was will man mehr? Die vielen kleinen Stern sammeln sich um ihn herum, sie bewundern ihn. Auch, wenn sie die eigentlichen Helden sind. Sie sind Lebensretter. Sie bewegen sich nicht und bleiben bei uns. Die nächsten Tage sind windig, fast schon stürmisch. Wir haben fast die Spitze erreicht, keiner will aufgeben. Dann machen wir noch einen Schritt Und wir sind oben. Wir haben nicht damit gerechnet, dass es so schön ist. Das Gefühl, der Ausblick. Die Natur. Von hier oben sieht man sie in ihrem vollen Element. Wir stehen am Gipfelkreuz, in eisiger kälter, umgeben von weißem Schnee und blicken in den Sommer hinunter. Drei Seen kann man erkennen, gefüllt mit dunkel blauem Wasser, klar und ebenmäßig. Drumherum erstrecken sind Berge. Lange nicht so hoch, wie die Zugspitze, aber sie sind da, übersät mit grün. Dunkel bei Wäldern, hell bei Tälern. Bunt bei Blumenwiesen. Wenn ich hier oben stehe, fühle ich mich vollkommen, als würde mir nichts mehr fehlen. Alles was ich machen muss, ist es den Ausblick zu genießen und mich der Natur hinzugeben.

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Wenn ich es jetzt geschafft habe meine Mails richtig zu durchschauen waren das tatsächlich schon alle Texte.
Ich danke euch allen für eure Schreibkünste und wünsche euch ein frohes bewerten!

Eure Josi