Der Schreibwettbewerb – 1.Runde

Hallo und ein herzliches Willkommen zur ersten Runde des Schreibwettbewerbs.
Ich freue mich riesig, dass das Ganze zu Stande gekommen ist und ihr so zahlreich mitmacht.
Ich will jetzt auch gar nicht zu lange labern aber hier noch ein paar WICHTIGE  Informationen.
Unten findet ihr jetzt nacheinander Alle Texte. Ohne Autoren und in völlig sinnloser Anordnung. Ich habe jetzt zwei Bitten.
1.All ihr Autoren: Lest die Texte und macht euch ein Bild. Und dann bewertet ihr bitte in den Kommentaren mit einer kleinen Begründung (euren eigenen Text jetzt natürlich nicht). Das ganze muss nicht super aufwendig sein nur ist es eben wichtig, dass man die Entscheidung der Punkte halbwegs nachvollziehen kann. – An dieser Stelle als kleiner Einschub es gibt Punkte von 1-10 – Ihr müsst das auch nicht jetzt direkt machen ihr habt genug Zeit. Also bewertet ihn Ruhe bis zum 23.1. Das mag im ersten Moment nach wenig Zeit klingen, allerdings möchte ich euch mehr Zeit als zwei Tage für den nächsten Schreibauftrag geben und damit wir nicht immer zwei Wochen brauchen müssen wir die Bewertungsphase etwas verkürzen. Also würde ich sagen bis Dienstag 18:00 habt ihr Zeit, und dann werde ich direkt an dem Abend auswerten und die nächste Aufgabe bekannt geben.

2. All ihr Nicht-Autoren: Ich freue mich, dass auch ihr Interesse an den Texten habt und ganz fleißig mitlest. Gerne könnt auch ihr die Texte bewerten, da es dann durchaus nochmal interessante Meinungen von Außenstehenden gibt. Falls ihr bewertet gilt wie oben von 1-10 und die mini Begründung. Ihr könnt es euch aber auch genauso gut mit einem Pott Kaffee gemütlich machen und nur die Texte lesen und eure Meinung für euch behalten.
Nachdem also am 22.1 alle Texte bewertet wurden, werde ich auswerten und es werden uns 4  Autoren verlassen müssen und wir gehen in die nächste Runde. Dazu wird es dann auch einen neuen Post mit allen wichtigen Informationen und Vorgaben die es zu erfüllen gilt geben.

So ihr Lieben. Ich hoffe Alle fragen sind geklärt, und falls nicht bin ich jederzeit über Mail oder Insta zu erreichen, aber jetzt wünsche ich euch erstmal ganz viel Spaß mit den Texten.

_________________________________________________________________________________________________________________
1.

Angekommen

Nie dort
Wo andere sind
Weil ich immer hinten dran bin
Immer sind alle 2 Schritte vor mir
Immer muss ich aufholen
Doch nie schaffe ich es
Habe ich das eine angefangen
Beginne ich schon mit etwas neuem
Ich kann nichts wirklich gut
Sondern nur von allem ein bisschen

Ich bin ein Buntes Bild
Das alle verwischen

Jeden Tag Frage ich mich
Wie alle das machen
Alle können etwas besonders gut
Und ich?
Ich kann von allem ein bisschen
Ich bin oft die zweite Wahl Weil
jemand anderes es besser macht
So ist das bei mir
Ich bin nie an erster Stelle
Nie erreiche ich wirklich etwas

Ich bin ein Buch
Mit nicht zusammen hängenden Kapiteln

Ich weiß nicht was ich kann
Was ich wirklich kann
Was mich ausmacht
Und was ich werden will
Ich bin so weit geöffnet
Das jeder in mich reingucken kann
Und jeder etwas ändert
Ich nehme alles persönlich
Und ändere mich für jeden
Auch für jedes Arschloch

Ich bin ein offenes Buch
Dass zu voll ist, um geschlossen zu werden

Ich bin zu schwach
Um das Buch zu leeren
Um einen Teil von mir aufzugeben
Oder ein zu verstärken
Ich will immer dabei sein
In allen Gruppen
Ich habe für jede Gruppe eine Art
Und alle vertragen sich
Nur ganz tief darunter
Beschwere ich mich

Ich bin alles
Und nichts

Ich gebe alles was ich habe
Nur nicht allen
Jeder sieht das was er soll
Und keiner sieht meine anderen Seiten
Meine anderen Teile, der anderen Gruppen
Ich bin eigentlich ein Einzelgänger
Weil ich anders bin als alle
Weil ich jeder bin
Weil ich nicht ich bin

Ich verstellen mich
Um da zu sein

Keiner mag alles an mir
Immer kassiere ich schiefe blicke
Immer, wenn eine andere Gruppe in mir hervorscheint
Und dann entschuldige ich mich
Ich lasse sie wieder sehen was sie sollen
Und hören was sie wollen
Ich bin nicht mehr ich
Sondern sie
Sie alle

Ich bin wie eine Hausaufgabe
Die einer rumschickt und alle davon abschreiben lässt

Ich bin wie ein volles Bücherregal :
Befüllt mit verschieden Gruppen

Ich bin wie eine Kerze
Die man auspustet, wenn man ihr leuchten nicht mehr erträgt und anzündet, wenn man es braucht

Ich bin wie ich
Mit anderen in mir

______________________________________________________________________________________________________
2.

Wie Brenndon sein Schicksal traf

Erkläre es mir.“

Was genau soll ich denn da erklären? Ja, entschuldigen sie große Hoheit, dass sie in mich hineingelaufen sind und mich um geschmissen haben und sich danach beschweren, dass ich mich nicht entschuldige, aber von mir dann eine Erklärung verlangen, nein das kann ich nicht verstehen.“

Brenndon riss die Augen auf und funkelte seinen Gegenüber verspielt an. Dieser fing langsam an die Fassung zu verlieren.

Ich bin …!“

Ja, ich weiß, du hast es, glaube schon mehrere tausend mal erwähnt, du bist der große Jenson wie auch immer, den alle lieben. Nur leider habe ich noch nichts von dir gehört und um ehrlich zu sein, bin ich auch sehr froh darüber.“

Brenndon grinste auf den Anderen hinab, der ungefähr zehn Zentimeter kleiner war als er selbst. Die ganze Sache fing an lustig zu werden und das verzogene Gesichts des Schnösel, bestätigte dies nur noch.

Wenn du mich nicht kennst, würde ich mal behaupten, dass dein Geschmack ziemlich unterirdisch ist.“

Oder oberirdisch gut“, konterte Brenndon und ließ schon wieder den Anderen wortlos dreinblicken. Am Anfang hatte er noch gedacht das dieser Tag eher langweilig werden würde, doch diese Erkenntnis hatte sich schnell geändert, als er mit diesem fremden Jungen zusammenstieß und das Schicksal seinen Lauf nahm.

Du bist unverbesserlich.“

Danke, ich wollte schon immer vollkommen sein.“

Jenson zog wütend die Augenbrauen zusammen und stieß einen Seufzer aus.

Das konnte noch eine lange Unterhaltung werden, es schien, als ob der Andere nicht begreifen wollte, dass er hier der Star war und nicht er.

Weißt du eigentlich, dass deine Art ziemlich unhöflich ist?“

Klar, zu jemanden der älter ist als ich, aber jemanden wie dir, der ganz sicher genauso alt ist wie ich und auch noch die Frechheit besitzt, mich für was anzuschnauzen was ich nicht getan habe, für den ist diese Art genau passend.“

Jenson rieb sich mit den Zeigefingern zwischen den Augen entlang und über den Nasenrücken, bevor er wieder zu Brenndon aufschaute.

Das ist ziemlich unreif.“

Dann übertreffe ich ja nicht dein Niveau, Dankeschön.“

Bevor Jenson noch etwas sagen konnte, klingelte das Handy von Brenndon und er ging mit einer entschuldigenden Handbewegung dran.

Ja?“, brüllte er in den Hörer.

Klar, komme.“

Grinsend legte er wieder auf und schaute zu seinem Gesprächspartner.

Leider muss ich dich jetzt mit deinen Problemen alleine lassen, ich muss zur Uni. Aber ich denke wir sehen uns bestimmt wieder Schatzi“, sagte Brenndon und gab Jenson beim vorbeigehen einen Klaps auf den Po.

Dieser erschrak heftig und drehte sich erschrocken um, doch bevor er etwas erwidern konnte, war Brenndon schon um die nächste Ecke verschwunden und somit nicht mehr in Reichweite.

Wow“, war das Einzige, was über seine Lippen kam.

___________________________________________________________________________________________________________
3.

Hinter dem Fenster

 

Immer steht er da. Der kleine Junge mit dem schwarzen Haar. Wie ein dunkler Schatten steht er mit seinen großen Augen hinter dem Fenster. Sehnsüchtig beobachtet er die kleinen Mädchen, die auf dem Spielplatz immer wieder die Rutschte runterrutschten. Ihr fröhliches Kreischen erfüllt die Luft und verbreitet eine angenehme Atmosphäre. Mutig stapft die große Schwester den Hügel hoch, während die Kleine ratlos unten steht und auch hoch will. All das beobachtet der kleine Junge und presst seine Hände neben sein Gesicht gegen die Scheibe. Seine Finger zucken, als würde er hier draußen bei uns stehen. Ich schenke ihm ein vorsichtiges Lächeln. Sein Gesicht bleibt ausdruckslos, doch seine großen Augen sind umso lebendiger. Das was seinem Körper fehlt, ist in seinen Augen zu sehen: Leben.

Eine Frau taucht hinter ihm auf und sagt etwas. Der Junge klebt weiterhin an der Scheibe und muss schließlich von der Frau – wahrscheinlich seiner Mutter – weggezogen werden. Er tobt und schreit, will nicht weggehen. „Schick ihn zu uns runter“, will ich sagen, „Er kann mitspielen.“ Sie würde mich nicht hören. Selbst wenn ich gebrüllt hätte.

Meine Aufmerksamkeit wendet sich wieder den Mädchen zu, die jetzt konzentriert im Sandkasten sitzen und versuchen eine Sandburg zu bauen. Die kleine Schwester schreit frustriert auf, als der Sand wiederholt in sich zusammenfällt. Aber erst am Abend, als wir uns auf den Weg nach Hause machen, taucht der kleine Junge wieder auf. Mit traurigen Augen jetzt. Ich schenke ihm nun ein bedauerndes Lächeln und winke leicht. Doch er schaut einfach weiter aus dem Fenster zu uns.

Die kleinen Mädchen merken nichts davon. Sie laufen übermütig vor mir her und genießen das Leben in vollen Zügen. Der kleine Junge wird jedoch noch lange hinter dem Fenster stehen und uns beobachten. Mit seinen großen Augen. Und immer werde ich ihm zulächeln und auf eine ausbleibende Reaktion hoffen. In den Schlaf werden sie mich verfolgen. Seine Augen. Vielleicht werde ich irgendwann klingen und ihn holen, um mit uns zu spielen.

Und dann werde ich nur noch alleine da sitzen. Auf dieser Bank bei der Rutsche. Ohne die Mädchen und ohne die großen Augen.

Aus der Ferne sehe ich jemanden gehen. Während ich auf das jetzt leere Fenster schaue, kommt er immer näher. Ganz leise. Wie ein Schatten. „Danke“. Überrascht hebe ich meinen Kopf. Ein junge Mann steht vor mir, mit so großen, neugierigen Augen. Sofort erkenne ich ihn. Diese Augen würde ich unter tausenden erkennen. Das erste Mal ohne Scheibe zwischen uns. Er kein kleiner Junge mehr, ich kein kleines Mädchen mehr.

____________________________________________________________________________________________________________
4.

____________________________________________________________________________________________________________
5.

Sommernacht

 

Es war  das erste mal, als wir uns berührten. Vielleicht hätte es nicht sein sollen, vielleicht hätte es gar nicht anders kommen können.

Mir war bewusst das ich eigentlich nicht genau wusste was ich tat, aber dennoch habe ich es getan. 

Diese Sommernacht durchlief meinen Körper und erfüllte mich. Ich werde den Geruch der Luft nicht vergessen, es war so angenehm und frisch, so einladend, so wohltuend. 

Es war schon sehr dunkel draußen und das einzige was ich sehen konnte war das Mondlicht, dass von deinem Körper reflektiert wurde. Deine Haut schimmerte. Sie hatte einen Glanz auf sich wie eine verborgene Kostbarkeit, die nun zum Vorschein kam.

Meine Augen folgten dem Licht wie es deinen Körper streichelte. Ich sah das Funkeln in deinen Augen und es nahm mir die Last von meinen Schultern. 

 

Ich sah dich an, betrachtete dich. Merkte erst das ich dich anstarrte als du mit deiner Hand gestikuliertest. Habe scheinbar nicht auf deine Worte reagiert. Deiner Gebärden nach zu urteilen schien der Moment meiner Gedankenlosigkeit mehrere Minuten gedauert zu haben.

Aber darüber nachgedacht schien mir dies viel zu übertrieben, es müssen dann doch nur Sekunden gewesen zu sein. Ich berührte dich, streichelte und liebkoste dich.

Ich merkte wie ich dich anlächelte, sogar schon fast bewunderte. Erinnerte mich an Fragmente aus meinem  Leben,  an denen ich unbeschwert lachen konnte, so wie in diesem Moment. Doch mir viel nichts vergleichbares ein. Der Versuch sich zu Erinnern war zum Scheitern verurteilt.

Habe mir gedacht, wenn das Leben lebenswert war dann gerade jetzt.

Doch zugleich hielt ich diesen Gedanken für absurd. Denn das hieße ich habe mein Leben lang, auf genau jenen Tag hingelebt. Und nun habe ich diesen Tag gelebt und könnte nun von dannen gehen.

Denn ich habe erspäht wie es ist, glücklich zu sein.

Plötzlich überlief mich ein kalter Schauer. Plötzlich überfiel mich die Angst, fühlte mich unwohl, ganz unbehagen, wollte desertieren und fand keine Ausflucht.

Du sprachst zu mir, doch es schien mir dich nicht zu hören, du berührtest mich, doch es schien mir dich nicht zu spüren du blicktest mir in die Augen, doch  es schien mir dich nicht mehr zu sehen

Ich entfernte mich von dir. Ich entfernte mich von mir. Wir beide existierten nicht mehr.

Ich verließ meinen Körper und wurde Beobachter. Ich konnte nicht mehr eingreifen. Alles sollte wohl so laufen wie es laufen sollte und ich wurde nicht mehr verlangt.

Es geschah einfach und ich wusste von diesem Augenblick an das dieses Unbeholfensein, diese Knechtschaft, wird mich auffressen, wird nur eine leere Hülle übriglassen, spürte wie der  Fäulnisprozess schon einsetzte. Mein Körper zerfiel zu Staub, meine Seele verfiel zu Staub.

Alles was blieb war eine Erinnerung an eine laue Sommernacht, doch ich, ich würde in Vergessenheit geraten.

 

________________________________________________________________________________________________________________

6.

„Meine Familie ist was?“ frage ich nichts ahnend. Kiran antwortet genervt: „Ihr seid alle Buchkrieger und zwar die berühmtesten von allen. Wie ich dir jetzt schon zum dritten Mal erklärt habe!“ Ich schaue ungläubig zu ihm auf. Das muss ich jetzt mal in meinen Kopf bekommen. Kiran erzählt mir doch bestimmt einfach irgendwelche Märchen. Ich meine, was sollen bitte Buchkrieger sein? Von so etwas habe ich noch nie gehört. Ich muss doch träumen, das ist es. Ich bin in keinem Buch. Mein Körper liegt schlafend in meinem Bett. Zuhause. Alleine. Meine Gedanken spinnen nur mal wieder und deshalb träume ich solch dummes Zeug. „Kiran, jetzt mal ehrlich. So etwas existiert doch gar nicht. Ich träume nur und du bist eine Traumgestalt von mir.“ Er zuckt mit den Schultern und wendet sich von mir ab. Jetzt kann ich seine kleinen und doch perfekten Flügel sehen, die wunderschön fließend und glänzend an seinem Rücken herunter hängen. „Na gut, wenn du mir nicht glaubst und es nicht wahr haben willst, ist meine Aufgabe hier erledigt und ich kann gehen.“ Der Elf breitet seine Flügel aus, die jetzt doch auf einmal viel größer sind. Es ist so als würden  sie mit jedem Wimpernschlag um 3cm wachsen. So lange, bis sie schließlich so groß sind wie ich. Mein Mund steht offen als ich ihn ansehe. Ich will nicht, dass er geht. Er ist wunderschön, ich kann nicht aufhören, ihn anzustarren. Mein Kopf ermahnt mich „Anabelle, jetzt reiß dich zusammen, gleich merkt er es.“. Ich traue mich nicht, ihn zu bitten, bei mir zu bleiben. Aber ich will es so sehr. Alles in mir schreit nach ihm. Er läuft in langsamen Schritten von mir weg. „Auf Wiedersehen, Buchkriegerin Anabelle. Vielleicht sieht man sich eines Tages wieder.“ Als er weg, geht fühlt es sich in meiner Brust an, als würde man ein Gummiband zu weit dehnen und es droht zu reißen. „Kiran, warte!“. Oh mein Gott, kam das wirklich gerade aus meinem Mund? Ich bin von mir selbst geschockt. Der Elfenjunge dreht sich langsam um, mit einem verschmitztem Lächeln auf dem Lippen. Er zieht nur einen Mundwinkel dabei hoch,was ziemlich sexy wirkt. Es passt einfach perfekt zu ihm. „Was ist denn noch?“. „I..i..ich möchte nicht, dass du gehst. Kannst du bitte hier bleiben? Ich meine natürlich nur, wenn du nicht noch andere Aufgaben hast.“ Mein Gott noch mehr zum Vollpfosten kann man sich doch wohl nicht machen! Ich versuche, gefasst zu wirken, doch mein Stottern am Anfang scheint ihm aufgefallen zu sein. Mist. „Anabelle Fay, wenn du möchtest, dass ich bleibe, werde ich bleiben so lange, bis du mich weg schickst.“ Er lächelt während diesen Worten solch ein verführerisches Lächeln, dass ich ihm nicht wiederstehen kann. Er benutzte sogar meinen Nachnamen, Fay. Diesen Nachnamen trägt sonst niemand an meiner Schule. Als ich mich endlich wieder gefasst habe, versuche ich mal wieder sehr gefasst zu sprechen: „Ich würde doch gerne mehr über die Buchkrieger erfahren. Und wie du es geschafft hast, deine riesigen Flügel zu verstecken? Ach ja, und ist es hier gefährlich?“ „Anabelle, jetzt mach mal langsam. Ich erkläre dir schon noch alles, mit der Zeit. Aber das Wichtigste zuerst; Ja, hier ist es gefährlich. Deshalb solltest du vorsichtig sein mit dem, was du machst“, unterbricht er mich, bevor ich noch tausend weitere Fragen stellen kann. Er muss mich wirklich lange beobachtet haben, um zu wissen, dass ich immer ziemlich viele Fragen stelle. Okay, ziemlich ist wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Ich will immer alles wissen, bis in jedes kleine Detail. „Am besten machst du dir selbst ein Bild über die Buchkrieger und das bekommst du am besten an der Akademie.“ Kiran stört damit meinen Gedankengang. „Welche Akademie?“ will ich wissen. „Folge mir einfach, dann wirst du es sehen.“ Also folge ich ihm durch den Wald, diese ewigen Geheimnisse nerven mich. Während des Fußmarschs redet keiner von uns ein Wort. Schade, dass ich nicht auch fliegen kann, dann wären wir schneller da. Vor uns wird der Weg immer steiler, ich muss mit mir kämpfen, um nicht anzufangen, schwer zu atmen. Oben angekommen sehe ich etwas glänzen. Vor uns liegt ein riesiges Gelände und Kiran passt perfekt in das Bild. Eindeutig, ich träume. „Kiran? Was ist das? Es ist wunderschön.“ Er schaut mich lächelnd an, diesmal sind beide Mundwinkel oben. „Das, Anabelle Fay, ist dein neues Zuhause.“

__________________________________________________________________________________________________________________
7.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

Dieser letzte Strohhalm, an den du dich klammerst, wenn alles um dich zerbricht, ist den Meisten als Hoffnung bekannt. Egal wie aussichtslos die Situation auch ist, wie lange du auch schon mit diesen Problemen kämpfst, da ist immer dieser kleine Funke in dir, der dich nicht aufgeben lässt. Ob es nun die gefühlt hundertste Bewerbung für einen Job ist und du davor nur Absagen kassiert hast. Oder du die Hoffnung in dir trägst, dein Vater besucht eines Tages einen deiner Auftritte im Ballett, obwohl er für deine Leidenschaft absolut nicht interessiert.

Für Viele lohnt sich dieses Gefühl zu warten, dass ihr Wunsch dann letztendlich noch in Erfüllung geht.

Aber was ist mit denen, die nicht mehr kämpfen wollen? Die zu lange gehofft haben um dann einen Rückschlag zu viel einstecken zu müssen? Die an der Hoffnung kaputt gegangen sind und fast ein Stück von sich selbst verloren haben?

Sie wissen und akzeptieren, dass einige Situationen und gewisse Menschen sich nicht ändern werden, egal wie sehr  sie das Blatt drehen und wenden.

Erinnerst du dich an das Mädchen, das um die Aufmerksamkeit eines bestimmten Jungen gekämpft hat, für den ihr kein Weg zu weit war und für den sie sogar alles, was ihr geblieben ist, aufgegeben hätte? Sie ist heute erwachsen. Sie musste auf die harte Tour lernen, dass sie solche Personen, die nicht gerettet werden wollen, auch nie retten wird. Heute weiß sie, dass es manchmal besser ist solche Dinge zu akzeptieren und im Leben nach vorne zu blicken.

Jetzt denkst du bestimmt, dieses Mädchen trägt doch garantiert noch ein Stück Hoffnung in sich, dass sie ihm nach einiger Zeit wieder begegnen wird und er begriffen hat, er hätte um sie kämpfen sollen und seine Taten bereut.

Genau solche Geschichten werden uns von den Medien regelrecht eingeflößt, so dass wir irgendwann daran glauben und ein anderes Ende auch gar nicht akzeptieren wollen.

Nein. Sie hat der Realität ins Auge gesehen und weiß, dass wir Leute treffen, die in unser Leben einfach nicht reinpassen und es uns ohne solchen, wenn wir es endlich begriffen haben, viel besser geht.

Deswegen  solltest du nicht immer alles auf die Hoffnung setzen. Ich weiß es heißt die Hoffnung stirbt zuletzt und das ist auch gut so. Sie hilft uns zu träumen, zu wagen und zu glauben.

Doch du solltest im richtigen Moment die Reißleine ziehen, denn auch die Hoffnung stirbt irgendwann und dann sind da nur noch dunkle Schatten.

_____________________________________________________________________________________________________________________________
8.

Das Lied der Zeit

 

Für Opa, weil du Eduard und nicht Siggi heißt und das Lied der Zeit wohl immer gegen uns spielen wird!(wie es wohl auch gegen jeden anderen spielt)

 

 

Mit zittrigen Händen legt er die Platte auf den Plattenspieler. Der Plattenspieler ist alt und der Mann scheint nicht jünger zu sein. Leise und kratzig erfüllt eine Melodie den kleinen Raum, Melancholie legt sich über das faltige Gesicht des alten Mannes. Sein Gang ist wacklig als er den Weg zur Haustür geht und sich auf die Treppe setzt. Er schließt die Augen und das Lied der Zeit beginnt.

 

Sie saßen auf der Treppe, aus dem Haus drang gedämpft eine Melodie, wie immer war es die selbe Platte, die sie auflegen wollte bevor sie sich nach draußen setzten. Sie war klein und blond, lächelte ihn an, erzählte ihm wild gestikulierend Geschichten über Gott und die Welt. Er, alt und grau, lächelte darüber wie ihre blonden Zöpfe auf und ab wippten, wenn sie erzählte. Er sah ihr einfach nur zu, ließ sich mitreißen von der Begeisterung in ihrer kindlichen Stimme und dem unerschöpflichen Enthusiasmus. Sie saßen oft gemeinsam auf der Treppe. Er war ihre wichtigste Bezugsperson. Er lachte über ihre Witze und behandelte sie wie die Prinzessin, die sie einst gemalt hatte und die noch heute die Wand seines Wohnzimmers ziert. Das Verhältnis der beiden war perfekt, doch die Zeit verging. Sie wurde älter, der kindliche Enthusiasmus verschwand aus ihren Augen, die kindliche Stimme machte einer erwachseneren Platz und dennoch blieb sie sein kleines Mädchen. Ihre gemeinsame Zeit wurde seltener, sie hatte andere Verpflichtungen. Er verstand das und so saß er alleine auf der Treppe und wartete, wartete auf ihren nächsten Besuch, darauf, dass sie wie früher gemeinsam auf der Treppe vor dem Haus saßen. Seltener wurden die Tage an denen man die Beiden gemeinsam auf der Treppe beobachten konnte, und umso kostbarer wurden sie. Wenn sie da war wisch sein leicht melancholischer Blick, dem altbekannten Lächeln  und sie vergaß für einen Moment, dass sie erwachsen sein wollte und ließ es zu das kleine Mädchen mit den wippenden Zöpfen zu sein. Diese Momente waren ein Genuss, pures Glück für die beiden. Eine Chance alles um sie herum auszublenden und alte Traditionen neu aufleben zu lassen. Eine Chance für ihn, die Stille zu vertreiben, die ihn umgab, die Stille die kein Radio oder Fernseher übertönen konnte, wohl aber ihre Stimme. Eine Chance für sie, wieder sie zu sein, eine Chance sich nicht verstecken zu müssen, nicht vor sich selbst oder irgendwem anders, bei ihm war sie sie ohne Kompromisse. Die unsichtbare Verbindung der beiden war undurchbrechbar und jeder Moment den die beiden hatten war besonders. Doch auch diese besonderen Momente wurden seltener bis es sie schließlich nicht mehr gab.

 

 

Er öffnet die Augen, er weint. Tränen laufen über sein Gesicht, mit seinen zittrigen Händen versucht er sie  wegzuwischen. Er greif zu der Brusttasche seines Hemdes und zieht ein altes Foto hinaus. Ein Mädchen mit blonden Zöpfen und blauen Augen lächelt ihn an, Erfolglos startet er den Versuch zurück zulächeln. Das war sie sein Mädchen. Sein Mädchen das ohne ihn gegangen war. Das Mädchen das ihm sein Leben bedeutet hatte. Sie war es die er hatte aufwachsen sehen wollen und sie war es die ihm diesen Wunsch nicht erfüllen konnte. Er würde sie niemals aus dem Haus seiner eigenen Tochter ausziehen sehen und er würde auch niemals sehen wie sein Schwiegersohn SIE, sein Mädchen zum Altar führen würde. Schon wieder weinte er. Die leise, kratzige Melodie im Hintergrund war verschwunden. Langsam und immernoch wackligen Schrittes macht er sich auf den Rückweg ins Haus. Er wirft einen letzten Blick auf die Treppe und schließt die Haustür. Das Lied der Zeit war zu Ende, seine letzten Töne waren verklungen. Das Lied der Zeit welches wunderbar klingt und doch gegen ihn gespielt hatte. Das Lied der Zeit hatte entschieden.

________________________________________________________________________________________________________________________
9.

Nein, ich fange diesen Eintrag nicht gewöhnlich an. Kein „Hallo Liebes Tagebuch“ und auch kein „Omg du weißt nicht was heute passiert ist“. Nichts von alldem. Heute fange ich anders an, denn heute ist alles anders, nichts ist gewöhnlich. Es war gerade mal 6 Uhr am Morgen, als mein Wecker klingelte, die Schule wartete schon. Allein als ich meine Augen heute Morgen öffnete, fühlte ich, dass etwas nicht stimmt. Ich schaute neben mir, meine kleine Schwester, die noch nicht zur Schule gehen muss, schlief friedlich. Ich stand auf, sah mich im Zimmer um. Ich war mir sicher, dass heute etwas nicht stimmt. Jedoch dachte ich nicht länger darüber nach, zog mich um, putzte mir die Zähne. Als ich fertig war, ging ich in die Küche, um mir meinen Lunch zu packen, als ich plötzlich eine Gänsehaut bekam. Etwas war hinter mir. Ich spürte sein Atem hinter in meinen Nacken. Er roch nach Tod. Ich drehte mich um, und sah ein schnelles Huschen an mir vorbei. Ich dachte an einen Einbrecher und rannte die Treppen hoch um  nach Symera zu sehen, sie war nicht mehr im Bett. Ich schrie: „Symera!Symera wo bist du?“ Ich rannte außer Atem in das Zimmer meiner Eltern. Ich platze herein und meine Eltern bekamen einen Schreck. Ich sagte: „Symera ist weg! Hier war ein Einbrecher drinne…und…er hat sie mitgenommen.“ Meine Eltern schauten mir verwundert an. Meine Mom fragte mich: „Wer ist Symera?“

__________________________________________________________________________________________________________________________
10.

Licht durchflutet meine Augen. Ich öffne sie zaghaft und fühle die pelzige Zunge in meinem Mund. Ich winde mich auf die andere Seite und mich durchfährt ein stechender Schmerz. Mein ganzer rücken ist versteift und ich bemerke, dass ich die Nacht auf den Boden schlafend verbracht habe. Und dann überkommt mich die tiefe Trauer von innen und bannt sich ein weg in die Oberfläche. Ich schreie und schreie und schlage die Hände vor meine Augen.Tränen rinnen mir über meine backen, sie gleiten über meine Lippen und ich schmecke das salzige Wasser in meinem Mund. Ich springe auf und flüstere mir immer wieder zu „du hast Schlaf nicht verdient, du hast Schlaf nicht, du hast Schlaf..“

Die Worte bleiben mir in meinem Hals stecken.Ich starre in den Spiegel und sehe eine Person mit fettigen Haaren, die im Sonnenlicht glänzen. Sie hat dunkle Augenringe und ihr Gesicht ist vom vielen Weinen aufgedunsen. Ihr Oberteil zerfetzt und übersät mit allen möglichen Flecken. Ihre Rippen und ihre hüftknochen stehen weit hervor. Ihre Augen blicken mir entgegen. Seelenlose Augen.  Und dann erkenne ich sie.

Die Person bin ich, das bin ich.

Ich drehe mich angewidert weg. Doch mein Spiegelbild zieht mich magisch an als würde es mir sagen wollen “ du hast im leben noch nie etwas erreicht, du hässliches Miststück.“ Ich merke, dass ich vor Wut bebe und mir fallen die Worte meines Exmannes  ein „du Miststück, du hast es nicht mal geschafft unser Baby lebendig auf die Welt zu bringen“ und spüre seine  Faust in meinem Gesicht. Ich balle meine Hand zu einer Faust und zerschmettere den Spiegel.

Er zerspringt in tausend Teile und Blut rinnt mir aus der Hand. Mein Spiegelbild ist nur noch verzerrt und ich drehe mich weg.

Ich banne mir ein Weg durch meine Klamotten, zertrümmerten Weinflaschen und vergammelten essen, dass ich nicht angerührt habe.

Ich gehe in die Küche und ziehe die Schublade auf in der sich die Messer befinden. Ich ziehe das größte heraus und setzte mich auf den Boden.

Ich betrachte das Messer eine weile, scharf und so schön. Mein einziger freund der letzten Monate.Mich durchströmt ein warmes Gefühl und lasse die klinge auf mein arm hinab.

Das kalte Metall schlägt auf mein warmen arm auf und ich mache den ersten schnitt. Zunächst zaghaft, denn der erste schmerzt am meisten. Doch das zügeln meine Lust und ich schnitze tiefer und schneller. Auf dieses Gefühl hab ich gewartet, ich bin wie im Rausch. Ich spüre nichts und all die Erinnerungen schwinden aus meinem Kopf. Ich starre auf das viele Blut, dass herausströmt und hinterlässt eine dunkelrote Spur auf dem Holz Parkett.

Ein baby Geschrei durchfährt die stille und ich erwache aus meiner Trance. Ich stehe zu schell auf und mir wird kurz schwarz vor Augen doch ich fange mich schnell wieder und stolpere die Treppe nach oben. Ich ziehe die Tür auf und und mir strömt ein Duft von babypuder gemischt mit dem Geruch von meinem Baby entgegen. Die Wände in einem schlichten grau gehalten, die Möbel weiß und mir blickt ein Schaukelpferd entgegen.Ich wende mich zu dem Bett und blicke in die haselnussbraunen Augen meiner tochter. Sie verstummt sofort und streckt mir ihre winzigen Ärmchen entgegen. Ich bücke mich über sie und greife ihr unter die Arme und drücke sie fest an mich. Ich atme ihren vertrauten Geruch ein und drücke ihren warmen Körper gegen mich. Sie fängt leicht an zu wimmerte und ich lockere meinen Griff und betrachte ihr hübsches kleines Gesicht.

Eine leise stimme will mir etwas zuflüstern doch ich blende sie aus.

Sie schleicht sich an und ihre Stimme wird lauter, ich entnehme einzelne wörter „dir…Gesicht…länger…“Ich verbanne diese Wörter aus meinem Gedächtnis und blicke wieder in ihre Augen. Ein ungutes Gefühl beschleicht mich und die Stimme dringt nun vollkommen zu mir durch „schau dir ihr Gesicht doch etwas länger an, besonders ihre Augen.“ Ich will diese Wörter vergessen, denn tief in mir drinnen ist es eine verblasste Erinnerung.

Doch ihre Augen nehmen mich ein, sodass ich keine Chance habe meinen Blick abzuwenden. Und dann sehe ich es.Panik steigt in mir auf. Sie blinzelt nicht. Ich betrachte sie noch eine weile und versuche mir einzureden, dass jedes Baby blinzelt. Jeder Mensch blinzelt 10-15 mal in einer minute in 24 Stunden also 25920mal. Ziehen wir den Schlaf ab kommen wir auf 17280mal.

Doch mein Verdacht bestätigt sich. Sie blinzelt nicht.Ich betrachte sie noch eine weile und versuche mir einzureden, dass jedes Baby blinzelt. Jeder Mensch blinzelt 10-15 mal in einer minute in 24 Stunden also 25920mal. Ziehen wir den Schlaf ab kommen wir auf 17280mal.

Doch mein Verdacht bestätigt sich. Sie blinzelt nicht. In meinem Augenwinkel nehme ich getrocknetes Blut wahr, vermischt mit neuem Blut, dass aus meinem Arm tropft.Es ist überall im Bett, auf dem Kissen und auf dem Teppich. Mein Blick wandert wieder zu ihren Augen und streift langsam über ihr Gesicht und ihren Körper. Ihre Kleidung blutdurchtränkt, doch wesentlich schlimmer ist ihr Kopf. Ein großer Teil der haut fehlt und es klafft ein riesen großes Loch im Schädel. Ich fahre mit zittrigen Fingern über das Loch und ihr Gesicht. Sie fühlt sich an wie Plastik wie eine Plastikpuppe.

Mein Körper bebt und ich merke wie mir die Tränen in die Augen schießen.“Es ist eine Puppe, mein Baby ist tot. Es ist eine Puppe, mein Baby ist tot. Es ist eine Puppe, mein Baby…“ ein Lachen durchzuckt meinen Körper, es wird immer lauter und schriller und ich halte meinen Bauch vor Krämpfen und lasse die Puppe zu Boden fallen. Mit Lachtränen in den Augen blicke ich zu der Puppe hinunter, zu das was von ihr übrig ist. Und mein Blick verfinstert sich schlagartig.

Langsam bücke ich mich nach ihr und greife ihr behutsam wieder unter die Arme.

„Weißt du, mein Baby ist tot. Sie ist in meinem bauch gestorben, nachdem ich 7 Jahre versucht habe schwanger zu werden. Ich wollte sie Mila nennen.“ Beim Klang ihres Namens verspüre ich eine tiefe traurigkeit. Ich habe sie getötet und Wut steigt in mir auf. Ich packe die Puppe bei ihren Füßen und schleudere sie immer wieder gegen die wand. „Ich habe mein Baby getötet. Ich habe mein Baby getötet.“Ich schreie mir meine ganze Frustration aus der Seele und hammere mit Fäusten auf die Puppe ein, bis mir ganz schwindelig wird und meine Kraft schwindet. Ich lege die Puppe wieder ins Bett, decke sie zu und schließe die Tür.

Ich streife die Treppe hinunter und eile in die Küche. Ich kippe mir eine ganze Flasche Wein hinunter und irre durch das haus.Müdigkeit überfällt mich doch ich verbiete mir zu schlafen. „Ich habe Schlaf nicht verdient. Dein Baby ist tot. Ich habe Schlaf nicht verdient. Dein Baby ist tot.“ Meine Augen flattern und klappen zu. Ich falle in einen tiefen Schlaf.

Ich wache auf. Ich habe mein Baby getötet. Ich schreie und schreie. Ich geh in die Küche und ritz mich mit dem Messer. Tiefer und tiefer. Blut rinnt heraus und der Rausch überfällt mich. Ich höre ein Baby Geschrei und ich eile nach oben. Mein Baby lebt.

_________________________________________________________________________________________________________________________
11.

Ich renne barfuß über den kalten Asphalt. Die kleinen Steinchen bohren sich spitz in meine Füße. Der Schmerz und der des Streifschusses sind kaum auszuhalten, aber ich kann nicht anhalten.

Ich renne weiter, um die nächste Ecke und die Straße hinauf.

Ich beginne schneller zu atmen, lange kann ich nicht mehr rennen.

Ein Blick über die Schulter und prompt stolpere ich über meine Füße und lande auf den Knien. Vor Schmerz schreie ich laut auf und mir kommen die Tränen.

Es tut so verdammt weh, doch ich kann nicht sitzen bleiben und rapple mich auf.

Nach zwei Metern sacke ich zusammen .

Der Streifschuss blutet, meine Knie und Füße schmerzen und Luft bekomme ich auch kaum. Am liebsten würde ich hier liegen bleiben und mich schnappen lassen. Doch damit wäre niemandem geholfen.

Also versuche ich ein weiteres Mal aufzustehen, doch diesmal sacke ich direkt wieder zusammen.

Ein letztes Mal raffe ich mich auf und schleppe mich hinter einen kleinen Steinwall, welcher an eine Hauswand anschließt.

Ich höre Stimmen näher kommen und halte instinktiv die Luft an.

,,Habt ihr die Diebin?”, ruft eine raue Männerstimme.

,,Nein,”, antwortet ein anderer. ,,Aber hier ist Blut.”

,,Na also,” sagt der erste wieder ,,dann kann sie ja nicht weit sein. Wir müssen sie finden!”

Die Stimmen werden leiser, bis sie schließlich ganz verschwinden.

Eine Last fällt mir vom Herzen, als ich realisiere, dass ich vorerst entkommen bin.

Doch was nun? Es kann sich nur um Stunden handeln, bis sie wieder zurück kommen.

Mit neuer Energie schleppe ich mich zum nächsten Hauseingang und klopfe zweimal kräftig an.

Ich weiß, dass es riskant ist, doch was habe ich für eine andere Wahl?

Im selben Moment, in dem die Tür aufgeht und ich einen jungen Mann erblicke, verliere ich das Bewusstsein und sacke auf der Türschwelle zusammen.

___________________________________________________________________________________________________________________
12.

Hexengeschäfte

Wie es immer im Vierjahresrhythmus geschah, strömten die Frauen Dublins auch an diesem 29. Februar wieder in Taras kleinen Zauberladen. Schon vor Öffnung standen fünf Damen an der Vordertür und an der Hintertür hatte Tara bereits gutherzig zwei Weitere in Empfang genommen. An keinem anderen Tag war der Laden so gut besucht. Die Kunden waren alle weiblich. Und sie hatten alle eines gemeinsam: Sie waren schon lange mit ihrem Liebsten zusammen und warteten sehnsüchtig auf die eine Frage. So nahm das weibliche Geschlecht, an diesem Tag, die Zügel in die Hand.

Die Glocke an der Tür verkündete eine neue Kundin.

Die Dame trat direkt an den Verkaufstresen. »Guten Tag. Ist ja ganz schön was los bei Ihnen«. Die Frau hatte einen amerikanischen Akzent.

»Hallo. Ach, das ist völlig normal an diesem Tag. Was kann ich für sie tun?«

»Ich suche ein Buch über Heilsteine.«

Tara griff in das Regal, zog ein Buch hervor und reichte es der Kundin.

Diese überflog den Klappentext und nickte. »Perfekt, können Sie es für mich einpacken bitte?«

Tara nickte und machte sich zugleich ans Werk. »Haben Sie noch einen Wunsch?«

Die Kundin lächelte freundlich. »Was ist so besonders heute?«

»Einer sehr alten und schönen Tradition nach, ist der 29. Februar, der einzige Tag, an dem es einer Frau gestattet ist, ihrem Liebsten einen Heiratsantrag zu machen.«

»Da hält sich doch keine Frau dran«, unterbrach die Kundin Tara lachend.

»Viele weibliche Iren lieben diesen Tag und warten darauf. Manche sogar die langen vier Jahre. Und manche kommen vorher zu mir, um diesem Anlass noch etwas Magisches hinzuzufügen. Sie wünschen sich Nachhilfe in Sachen Liebesglück. Aber die meisten brauchen nur etwas Zuspruch.«

»Ah, ich sehe, Sie sind eine gute irische Geschäftsfrau« sagte die Frau mit einem Lachen.

»Oh nein, ganz und gar nicht. Ich nehme kein Geld dafür. Für diese Frauen ist alles umsonst«, erklärte Tara und reichte der Kundin das Buch. »Sie haben Glück.«

»Danke sehr. Was ist mit Ihnen? Ich sehe keinen Ring. Eine hübsche Frau wie Sie ist doch nicht etwa Single? Sie haben doch sicherlich ebenfalls etwas Romantisches vor heute?«

Die Frage war ihr unangenehm. Trotzdem antwortete sie. »Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Malcom zusammen. Aber nein, er hat mich bisher nicht gefragt. Ich werde es heute auch nicht tun. Da bräuchte ich wohl etwas mehr als nur einen Schubser.«

»Sie sind eine tolle und großherzige Frau. Irgendwann wird der Mann schon zur Vernunft kommen. Sind viele Frauen nach einem Besuch bei Ihnen vor den Altar getreten?«, wollte die Kundin wissen.

»Bisher kam keine der Damen zurück.«

»Dann waren sie sicherlich zu beschäftigt mit ihren Hochzeitsvorbereitungen. Ich muss dann auch los. Vielen Dank für das Buch.«

»Auf Wiedersehen.«

Um drei Uhr schloss Tara ihren Laden zu. Ihr Geschäft lag unweit vom beliebten Touristenviertel Tempel Bar entfernt. Um den Liffey zu überqueren, wählte Tara die Half Penny Bridge. Es waren viele Pärchen unterwegs, die nach einem freien Platz für das mit ihren Initialen beschriebene Liebesschloss suchten. War dieser endlich gefunden, wurde das Schloss platziert, feierlich geschlossen und der Schlüssel in den Liffey geworfen.

Von Tara selbst hing kein Schloss an der Brücke. Malcom fand das kitschig. Mehr als einmal hatte er sich über Taras Faszination für den heutigen Tag lustig gemacht. Tara hingegen sog alles magisch in sich auf, was mit dem alle vier Jahre wiederkehrenden Ereignis zu tun hatte. Und sie mochte die Liebesschlösser der Half Penny Bridge. Sie waren etwas Besonderes. Tara liebte die Romantik, die von ihnen ausging.

Sie wünschte sich oft, den Mut ihrer Kundinnen zu haben, denn sie selbst hatte ihre Zauberkunst am nötigsten. Die Versuchung war groß. Aber es gab einen uralten Hexenkodex. Und in diesem hieß es: Einer Hexe ist es strengstens untersagt für sich selbst zu zaubern. Tut sie es doch, wird dies nicht unbestraft bleiben.

Die Strafe war sehr hart und keine Option. Zauberte man als Hexe für sich selbst, dann würde ein geliebter Mensch dreimal stärker Leid erfahren. In schwachen Momenten dachte Tara immer wieder daran. Aber sie wusste, sie würde mit dieser Schuld nicht leben können. Denn eines war Tara nicht, und zwar selbstsüchtig. Die Option die Hexenregel zu brechen war ausgeschlossen.

Sie war eigentlich glücklich. Es lief sehr gut mit Malcom. Vielleicht musste sie einfach lernen, dies endlich zu akzeptieren.

In der Menschenmenge entdeckte Tara ein ihr vertrautes Gesicht. Malcom kam ihr eilig entgegen. Beinahe wäre er direkt an seiner Freundin vorbeigelaufen.

Sie sprach ihn an, bevor dies geschehen konnte. »Malcom.« Die Überraschung ihn hier zu sehen war Tara sicherlich anzuhören. »Wo willst du denn so eilig hin?«

Malcom, der anscheinend so sehr damit beschäftig gewesen war, sein Ziel zu erreichen, erschrak, als er Taras Stimme hörte. Er sah sie erst etwas verdutzt an, aber lächelte sofort, als er sie erkannte. »Ich wollte dich abholen«, sagte er völlig außer Atem. »Aber die Straßenbahn hatte Verspätung.« Er machte einen großen Schritt auf Tara zu, umarmte und küsste sie. Tara war überwältig von der unbekannten Zärtlichkeit. So kannte sie ihren Malcom nicht. Irgendwas stimmte hier nicht.

»Du wolltest mich abholen?« Sie drückte ihn etwas verlegen ein Stück von sich weg. »Du hast mich in zehn Jahre nicht einmal abgeholt. Was ist los?« Sie zog Malcom ein Stück zur Seite. Irgendwas schien in seinem Kopf vor zu gehen. Ein ganz anderer Malcom, dachte Tara.

»Du kennst mich zu gut. Ich habe das hier unter deinem Schreibtisch gefunden. Das hattest du doch nicht wirklich vor? Oder?« Malcom hielt in seiner Hand ein Stück lilafarbenes, stark zerknülltes Papier.

Tara erkannte es sofort. Es war einer der Zettel, welche ausschließlich für ihre Hexensprüche bestimmt waren. Ihr stockte der Atem und sie wollte sofort zu einer Erklärung ansetzen, aber Malcom war schneller.

»Tara, es bringt Unglück, wenn du so etwas tust.«

Sie sah die Enttäuschung in Malcoms Augen. »Niemals hätte ich diesen Spruch angewendet. Deswegen ist das Blatt völlig verknittert. Malcom vertraue mir.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen.

»Natürlich vertraue ich dir. Du hast mich erschreckt.« Sanft umfasste Malcom mit beiden Händen ihren Kopf und küsste sie erneut. »Aber ich wollte dich noch etwas anderes fragen.« Er griff in seine Tasche und zog ein kleines rotes Schloss heraus.

»Auf die Schnelle habe ich nichts anderes organisieren können. Dieses Symbol ist nur der erste Schritt. Tara Higgens, es tut mir leid. Dass ich so lange hiermit gewartet habe. Ich möchte dir danken, dass du mir endlich die Augen geöffnet hast. Möchtest du dieses Schloss mit mir an dieser Brücke anbringen und mir zusätzlich die Ehre erweisen meine Frau zu werden?«

Millionen Mal hatte sich Tara diesen Augenblick in ihren Träumen vorgestellt und mindestens genauso oft hatte sie die Antwort auf diese Frage geübt, die sie nun endlich aussprechen konnte: »Ja! Natürlich möchte ich das. Beides!«

_____________________________________________________________________________________________________________________
13.

Und dann bist du neben mir
Ich sehe dein lachendes Gesicht und rede mit dir
Meine Augen fangen an zu strahlen
Und ich fühle dieses Kribbeln im Bauch
Kann es für immer sein?
Kannst du für immer bleiben?
Doch du bist wie eine Fata Morgana
In der größten Sahara*
Ich wünsche du bist da
Ich sehe dich
Doch du bist es nicht
– MN0505151005

________________________________________________________________________________________________________________________
14.

Passwort
Der Boden unter meinen Füßen macht schmatzende Geräusche, als meine schwarzen Halbstiefel
in den Schlamm einsinken.
Beim nächsten Mal wieder die Gummistiefel. Und das sage ich mir jetzt schon seit ich ihn hier
besuche.
Ich springe zur Seite um einer Pfütze auszuweichen, aber zu spät. Das gräuliche Wasser spritz
nach oben und besprenkelt meine helle Jeans. Ich verdrehe die Augen. Meine Tollpatschigkeit und
ich. Ein Herz und eine Seele.
„Mal wieder typisch für dich“, murmle ich verärgert.
Meine Pechsträhne ist ein ewiger Begleiter. Bei meiner Seite seit ich in der ersten Klasse
hingefallen bin direkt auf meine Schultüte und damit in die geschmolzenen Schokoladentaler, die
ich so vergötterte.
Ich streiche mir meine langen Haare hinter die Ohren und damit auch die Gedanken beiseite.
Jetzt gab es jemanden zu begrüßen.
Mein breitestes Lächeln erscheint, als ich ihn schon im Gras liegen sehe. Die Kapuze des
schwarzen Hoodies über seinem Gesicht. Wie immer hat er einen Arm unter dem Kopf gelegt und
eines der Beine über das andere geschlagen.
„Hey du Blödmann“, begrüße ich ihn liebevoll und setzte mich zu ihm um meine kleinen Arme um
meinen besten Freund zu schlingen.
„Ich habe dich vermisst.“
Seine Brust vibriert unter seinem Lachen und er erwidert meine Umarmung.
„Wir sind einen Tag getrennt und du vermisst mich schon. Muss ich mir Sorgen machen, dass du
eine ungesunde Obsession gegenüber mir entwickelst? Es ist mein Charme, habe ich recht?“
„Du warst schon immer von dir überzeugt, Gabriel Winter, was?“
Sein für ihn typisches schiefes Grinsen lässt seine Grübchen herausstechen.
„Wie du meinst, Samy.“
Lachend verschränke ich meine Beine zu einem Schneidersitz. Er tut es mir gleich und wuschelt
sich durch die brauen Locken auf seinem Kopf.
Seine Haare sind ganz schön lang geworden. Er sollte mal wieder zum Frisör gehen. So erinnert
er mich wieder an den kleinen Jungen aus der ersten Klasse, der mir geholfen hat, die Schokolade
aus meinem Kleid zu waschen und mir dann die Hälfte seiner Schultüte geschenkt hatte.
„Wie war dein Tag?“, frage ich und stütze mein Kinn in der Hand ab.
„Es ändert sich bei mir nichts. Wie geht es dir?“
Jeden Tag diese Frage. Manchmal ist er echt übervorsorglich.
Ich verdrehe die Augen und grunze ein: „Gut, Papa.“
„Samy mach darüber keine Scherze. Ich will wirklich wissen wie es dir geht? Für mich ist das
wichtig.“
Seufzend lege ich mich auf den Rücken und starre in den Himmel. Eine schwarze Wolke scheint
sich langsam vor die Sonne zu schieben und ich meine schon leisen Donner zu hören.
„Alles Bestens. Wirklich. Es ist alles beim Altem.“
„Alexander macht sich also immer noch über dich lustig.“
„Das sind doch nur Neckereien.“ Ich wiegele das mit einer Handbewegung ab. Alexander und ich
hatten immer so unsere Differenzen, aber wer hat die bitte nicht?
Gabriel beugt sich über mich und schaut mich mit seinem durch dringlichen Blick an.
„Erzähle es mir.“
Warum musste er mich nur jedes Mal nach Alexander fragen? Ja er sagt böse Dinge, aber ich
habe ihn.
Und solange mein bester Freund bei mir ist, was machen da schon ein paar Worte.
„Bitte. Lass es einfach. Ich will mit dir nicht über meine Probleme reden. Dafür habe ich hier immer
zu wenig Zeit wenn ich dich besuche. Seit einem Jahr wohnst du schon hier und sobald ich es
schaffe Zeit für dich zu finden, fragst du mich wie ich klarkomme. Gabriel was soll denn das?“,
meine ich tadelnd.
Aber so richtig ernst meine ich das nicht. Wir beide waren nie ernst und würden jetzt sicherlich
auch nicht damit anfangen.
Wortlos dreht er sich wie ich auf den Rücken und richtet seine grünen Augen auch auf die
vorbeiziehenden Wolken.
Er sieht heute so besonders ernst aus.
Zeit das zu ändern.
Ich zupfe einen feuchte Grashalm ab und klemme ihn zwischen meine Nase und meine Lippe und
verziehe das Gesicht.
„Gabriel Winter, ich dulde dieses Verhalten unter keinen Umständen. Wir befinden uns in einer
respektablen Schule. Nimm deine Käsequanten von dem Tisch, s’il te plaît“, ahme ich die hohe
Stimme unserer Französischlehrerin aus der 8. Klasse nach.
Ein kleines Lächeln lässt seine Mundwinkel zucken. „Unmöglich wie immer.“
„Hey“, protestiere ich und schlage ihm gespielt auf den Arm.
Er fängt jenen jedoch ab und zieht mich zu sich, sodass er mich mit seinen brieten Armen fest an
seine Brust drückt. Zusammen lassen wir einfach den Blick durch die Natur schweifen, die uns
umringt. Die morschen Tannen, das von Regen Getränkte Moos und die braunen Tannenzapfen,
deren Zapfen schon teilweise geöffnet wurde.
Die kalte Brise des Windes streicht über meine Haut als ich mich näher an Gabriel drücke.
Doch irgendwie ist es viel zu unbequem. Ich sollte mich bei Gabriel wohl fühlen, die Natur um mich
genießen, doch nichts scheint so zu sein.
„Erinnerst du dich an unser Passwortspiel?“, fragt mich Gabriel plötzlich.
„Natürlich“, antworte ich.
„Kennst du die Regeln noch?“
Ich nicke bestätigend. Doch er im Gegenzug schüttelt nur den Kopf.
„Nein. Ich will die Regeln hören! Ich gebe dir ein Wort, ein Passwort. Ich verrate dir nicht zu was.
Du musst das herausfinden. Auf keinen Fall, hörst du mich Samy, du darfst unter keinen
Umständen das Wort vergessen!“
Ich weiche ein Stück von ihm zurück.
Gabriel ist heute komisch. Sonst ist er die albernste Person, die ich kenne. Was ist mit ihm
passiert, dass er plötzlich so nachdenklich, beinahe ängstlich ist?
„Ich verspreche es“, sage ich immer noch verunsichert.
Ein Schauer jagt mir den Rücken hinunter. Hier stimmt etwas gewaltig nicht.
„Leben“, meint er.
Ohne Vorwarnung bricht eine Kichertirade aus mir heraus. „Du bist heute aber ernst.“
Doch er erwidert mein Lächeln nicht. Viel mehr scheint sich sein komplettes Erscheinungsbild zu
verfinstern.
Erschrocken stolpere ich zurück. Mach dich nicht lächerlich, ermahne ich mich innerlich.
Das ist Gabriel, dein bester Freund.
Warum glaube ich mir nur nicht?
„Merk es dir. Es ist sehr wichtig. Bitte, Samy.“
Seine Worte klingen fast wie ein Knurren.
„Okay jetzt reicht es aber. Ist das hier ein Witz, oder was? Gabriel, was um Himmels Willen ist in
dich gefahren?!“
Aufgebracht wirft er die Arme in die Luft. Seine Fäuste sind geballt, bis seine Knöchel weiß
hervortreten.
„Habe ich dir nicht gesagt du sollst es dir einfach merken!“, schreit er.
Panisch vor Angst stolpere ich noch weiter von ihm weg.
„Was… ist …mi-mit dir los?“, krächze ich stotternd.
Ich will diesen Gabriel nicht. Ich mag ihn nicht.
„Samy, ich kann für dich nicht da sein. Was Alexander macht, ich kann nicht für dich da sein.“
Was redet er da nur? Er hat mich noch nie im Stich gelassen. Niemals.
„Das stimmt nicht“, antworte ich mit sicherer Stimme und schaffe es mich aufzurichten.
Mein Gabriel verlässt mich nicht.
Wenn die anderen über uns gelacht haben, er hat mich nie alleine gelassen.
Verzweifelt vergräbt er sein Gesicht in den Händen.
„Samy. Bitte tu mir das nicht an.“
„So langsam fange ich an zu verstehen. Du machst dir Vorwürfe, weil du umgezogen bist. Ach,
Gabriel.“
Ich greife nach seiner Hand und streiche mit meinen Fingern über die raue Narbe an seinem Puls.
Seine Haut ist warm und trocken. Kein Zeichen von dem Moss, unter dem wir gerade noch
gelegen waren.
Doch er reißt sie mir gewalttätig aus den Händen. Verletzt stolpere ich zurück.
„Nein, du verstehst nichts.“ Er tritt einen drohenden Schritt auf mich zu.
„Seit einem Jahr bin ich nicht mehr für dich da und du musst das akzeptieren. Aber verflucht, ich
darf nicht zulassen, dass du das Passwort vergisst.“
Aus Angst ihm ins Gesicht zu sehen starre ich auf sein blütenweißes T-Shirt. Das ist bestimmt nur
ein Streich. Gabriel ist nicht so. Gabriel würde mich nicht alleine stehen lassen.
„Warum kannst du nicht verstehen, dass ich das dumme Passwort vergessen habe. Jede Tag für
die letzten Jahre ist es kleiner geworden, in die hintersten Ecken meiner Gedanken verschwunden.
Jedes böse Wort, jeder Tritt hat es verbannt. Du musst es verstehen. Ich kann dir nicht helfen,
aber das Passwort ist so wichtig.“
Immer wieder schüttele ich den Kopf.
„Hör auf mit diesen Rätseln. Du bist mein Freund. Du verhältst dich nicht so.“
Tränen renne ihm die Wangen hinunter und sammeln sich auf dem nassen Boden.
So fallen sie kaum auf. Aber an mir kommen sie nicht unbemerkt vorbei.
Gabriel hat bisher nur einmal vor mir geweint. An dem Tag, an dem er umgezogen ist.
Der Anruf in der er sich unter Schluchzer am Telefon für den Umzug entschuldigt hatte.
Gesehen hatte ich ihn so allerdings noch nie.
„Ich werde morgen einfach wieder kommen. Du hast dich beruhigt und es ist alles wieder wie
vorher. Versprochen.“
Erneut tasten meine Finger nach seinen. Er muss einfach einen schlechten Tag haben.
Das lautlose Schluchzen von ihm versuche ich zu unterdrücken.
Vielleicht muss ich heute auf ihn aufpassen. Nur das eine Mal.
Meine Arme schlingen sich um seine muskulösen Schultern und ich ziehe eine große Statur zu mir.
Er stolpert in dem nasse Gras nach vorne und lässt sein Tränen benetztes Gesicht in meinen
Nacken fallen.
„Es tut mir so leid“, krächzt er.
Beruhigend streiche ich ihm über den Rücken.
„Jeder hat schlechte Tage. Aber weißt du was, ich habe einen Plan. Ich ziehe zu dir. Nur wir beide
und dann hört der ganze Mist auf und wir haben lediglich unseren Spaß“, erzähle ich lächelnd. Es
würde so viel vereinfachen. Wir beide ganz für uns und nichts könnte uns verletzen. Zum ersten
Mal eine Art Friede.
Als hätte er sich verbrannt reißt er die Arme von meinem Körper.
Das Grün seiner Augen verblasst fast komplett, als sich seine Pupillen erschrocken weiten.
„Nein. Samy tu das nicht. Ich will dich hier nicht haben.“
Empört keuche ich auf.
„Seit wann bist du eigentlich so unfreundlich?“
Ohne mir seine verwirrenden Verletzungen anzuhören stapfe ich davon. Wenn er sich morgen
nicht gehörig bei mir entschuldigt war es das erst einmal mit den täglichen Besuchen.
Ich höre ihm nur von weitem verzweifelt meinen Namen schreien und immer wieder dieses alberne
Passwort. Er würde mir auch dieses Mal nicht folgen.
Sein Umzug hatte ihn schon fast an den Ort gebunden.
Manchmal wurde ich einfach nicht aus ihm schlau.
„Ah. Samantha.“
Ich lächele leicht, als ich den Mann mit dem grauen Bart und den vielen Lachfältchen um den
Augen sehe.
„Na wie geht es meinem Lieblingsgärtner heute“, begrüße ich ihn.
Er stellt die Schubkarre ab und streicht sich mit den grünen Handschuhen über die vom Regen
beträufelte Stirn.
„Nichts Besonderes. Hast du deinen Freund wieder besucht?“
Ich nicke und verschränke die Arme vor der Brust, als ich den Inhalt der Schubkarre sehe.
In ihr befinden sich lauter verfaulte Blumen.
Ihre Blütenblätter hängen braun an den leblosen Stielen.
„Eigentlich müssten die Blumen bei dem Wetter genug Wasser bekommen“, kommentiere ich den
Inhalt und hebe anschaulich eine aus dem metallenen Gefäß.
Er seufzt tief, lässt sich an einen nahen Baum sinken.
„Ach Kind. Parasiten sind das Eine, aber das ist schon eine Plage.Man könnte meinen, die
einzelnen Blumen, die wahllos auf der Wiese stehen haben nichts miteinander zu tun. Doch befällt
es eine, geht es den anderen gleich. Obwohl sie alleine sind, sterben sie miteinander. “
Verstehend nicke ich.
Die Welt nimmt und gibt. Und manchmal kann sie nicht nehmen ohne einen anderen mitzuziehen.
„Ich würde wirklich gerne noch plaudern, aber ich habe heute noch etwas vor“, meine ich
bedauernd. Ich genieße seine Gesellschaft. Er war immer nur nett zu mir. Hat nichts hinterfragt,
wie viele andere.
Er presst die alten von Falten übersäten Hände auf sein Herz. „Alles gute mein Kind.“
„Soll ich ihm nachher ein paar Blumen hinlegen?“, ruft er mir noch hinterher doch ich wiegele ab
und schüttele den Kopf.
„Nein, ich nehme ihm morgen selbst welche mit.“

_____________________________________________________________________________________________________________
15.

8 Jahre meines Lebens ziehen gerade an mir vorbei, 8 Jahre voller Emotionen, Wut, Traurigkeit, Fröhlichkeit und Angst. 8 Jahre die mich verändert haben, positiv aber auch negativ. Ich sitze hier und lasse noch mal alles Revue passieren. Alle schönen aber auch schlechten Ereignisse, alle lustigen aber auch traurigen Momente. Ich schwelge so in Gedanken das ich gar nicht mitbekomme was um mich herum geschieht.  „Cathy Meisner!“ Applaus ertönt und ich erhebe mich. Ich laufe nervös zu dem Pult an dem Herr Penter steht und mich erwartungsvoll anschaut. Ich versuche aufrecht zu laufen und nicht zu stolpern als ich die drei Stufen hinaufgehe. Es zieht mich die letzten Meter förmlich und ich kann es irgendwie immer noch nicht glauben. Ich bin angekommen, ich habe es geschafft. Ich habe gerade in diesem Moment mein Abi Zeugnis in der Hand. Ich habe es erfolgreich gemeistert und mit einem Notendurchschnitt von 1,3 bin ich mehr als zufrieden. Jetzt beginnt das richtige Leben, die Schule habe ich hinter mir, oder? Ich habe meine Zeit am Gymnasium gehasst aber gleichzeitig auch geliebt. Ich wurde nie gemobbt, das nicht, aber ich war auch nie die beliebteste. Es hat mich alles so viel Mühe und Kraft gekostet und ich kann es nicht glauben, dass jetzt alles vorbei ist.

< 3 Monate später>

Unglaublich wie Naiv ich vor einigen Monaten noch war. Ich kann es nicht fassen, dass ich geglaubt habe alles wird einfacher wenn die Schule endlich vorbei ist. In den letzten drei Monaten haben ich gelernt wie hart das wirkliche Leben erst ist und ich hätte nie gedacht das ich sage, Ich vermisse die Schule. Ich stehe hier am Flughafen und bin ehrlich gesagt noch nicht bereit dazu, weg zu fliegen. Ich habe in letzter Zeit so viel über mein Leben nachgedacht, so viele Momente noch mal erlebt und mich gefragt was wäre wenn? Was wäre, wenn ich nie Schule gewechselt hätte? Was wäre, wenn ich nie bei dem Schüleraustausch mitgemacht hätte? Was wäre, wenn ich auf diese eine Party gegangen wäre? Aber was bringt es mir den Kopf zu zerbrechen, über Sachen die ich eh nicht ändern kann. „Ach Maus, irgendwie geht alles so schnell.“ Liest meine Mom mal wieder meine Gedanken. „Und du bist dir ziemlich sicher, dass du doch nicht hierbleiben willst?“ fragt nun mein Papa. „Ich brauche diese Zeit einfach um mir im Klaren zu werden, wer ich eigentlich bin.“ Denke ich mir, stattdessen sage ich aber: „Ihr wisst wie sehr ich New York sehen wollte, diese Chance ist einmalig. Wir sehen uns doch wieder in 3 Monaten“ versuche ich meine Familie zu beruhigen. „Sei doch froh Papa, dass sie doch kein Au Pair Jahr macht, sondern nur für paar Monate nach New York zieht.“ Mischt sich jetzt auch noch meine kleinere Schwester ein. „Ich werde euch alle sehr vermissen, aber wie gesagt es sind doch nur 3 Monate, die werden so schnell vergehen, dass ihr euch wünscht das ich wieder in New York bin.“ Werfe ich ein, aber ich sehe meinen Eltern an das es schwer für sie ist. Für mich ist es auch nicht gerade einfach, ich bin ein totaler Familienmensch und weiß echt nicht was ich ohne sie machen würde.  „Okay Schatz, ruf uns an sobald du gelandet bist. Guten Flug“ beendet meine Mom die Diskussion und ich umarme jeden für gefühlte 10 Minuten. Danach nehme ich mein Rucksack und gehe in den Flieger, bevor ich einsteige, drehe ich mich nochmal um und winke allen zum Abschied. Meine Mom hat Tränen in den Augen und mein Papa versucht sich zusammenzureißen, genauso wie meine Schwester, typisch. Meine Schwester ist mein Vater in weiblich, braune Haare, die Mittellang sind, braune Augen, eine etwas schiefere Nase. Sie ist eine Brillenträgerin und wenn ich sie so anschaue, fällt mir auf wie erwachsen sie geworden ist. Wir sind Schwestern, sehen aber nicht so aus. Ich bin das totale Gegenteil von ihr, ich habe blonde Haare und blaue Augen, meine Haare sind Schulterlang und ich bin ziemlich groß. Außerdem habe ich ein etwas schmaleres Gesicht als sie. Ich steige nun endgültig in den Flieger und es gibt kein Zurück mehr.

Ich habe jetzt 12 Stunden Zeit mich meinen Gedanken zu überlassen. Ich bin einfach überwältigt was alles in einem so kurzen Zeitraum geschehen kann. Ich erinnere mich an den alles entscheidende Moment vor 5 Monaten zurück, ich wollte eigentlich für ein Jahr als Au Pair nach Amerika, aber als ich den Anruf bekam hat sich alles geändert. Meine Eltern wissen nicht einmal von dem Anruf, sie denken ich habe mich einfach so unentschieden.

„Spreche ich hier mit Frau Meisner?“ Fragte mich eine unbekannte Stimme. „Ja.“ Antwortete ich mit einer etwas angespannten Stimme, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. „Es liegen die Blutwerte vor, wir haben sie ausgewertet und können ihnen leider keine positive Nachricht überbringen“ kurze Pause, in der ich eigentlich auflegen sollte, aber meine Neugier und mein schlechtes Bauchgefühl machen dies nicht. „Ihr Mann hat Lungenkrebs und wir werden ihn nächste Woche Zwangseinweisen lassen“ sagte die mir so unsympathische stimme. „Es tut mir leid aber sie wollen sicher mit meiner Mutter reden, bitte rufen sie sie auf ihrem Handy an und erzählen sie nicht von diesem Anruf.“ Antwortete ich ohne zu wissen was um mich geschieht. Ich bin so schnell ich konnte in mein Bett gerannt und habe angefangen zu weinen. Mein geliebter Papa, er ist krank und ich wusste das dieser Tag mal kommen würde, aber so schnell doch nicht. Er ist schon so lange ein Kettenraucher und jeder wusste das sowas früher oder später passieren wird, ich hatte nur auf später gehofft. Als ich darüber intensiver nachgedacht habe, habe ich gemerkt das es meine Mom heimlich die Blutproben eingereicht haben musste, mein Vater wusste also noch nicht was um ihn geschieht.

Heute wissen Sie immer noch nicht das ich es weiß, und ich weiß nicht wie es um ihn steht. Ich habe mich für New York entschieden, weil ich einfach nachdenken wollte und auch wegen einem anderen Grund. Die 12 Stunden sind Wort wörtlich wie im Flug vergangen und als ich meinem anderen Grund nach New York zu gehen, in die Augen blicke, wird mir warm ums Herz und ich vergesse alle Traurigen Gedanken.

__________________________________________________________________________________________________________________
16.

Prolog -13. Mai

 

Anna blickte verlegen auf ihre Schuhe, während sie sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht strich.

„Weißt du Kyle, eigentlich wollte ich mit deinem Bruder hin gehen …“

Während ihre letzten Worte fast wie eine Frage in der Luft hingen, hob sie ihren Blick. In dem einen Moment sah sie noch die leise Hoffnung in Kyles Augen. Sah wie er nervös auf der Innenseite seiner Lippe kaute und ihr noch immer die kleine weiße Rose entgegenstreckte.

Und dann konnte sie genau den Augenblick erkennen, indem ihre Worte zu ihm durchdrangen. Die leuchtend grünen Augen wurden plötzlich stumpf, auf seiner Stirn bildete sich eine Falte und sein Lächeln wirkte nun, da es seine Wärme verloren hatte, ein wenig verbissen. Die Knöchel seiner Hand traten weiß hervor, als er den Stil der Rose fester umklammerte und den Arm sinken ließ. Und noch bevor Anna weitersprechen konnte ergriff Kyle das Wort.

„Ich verstehe. Viel Spaß euch beiden.“ Er versuchte sich nochmal an einem Lächeln bevor er sich abrupt umdrehte und staksend davon eilte.

Mit einem tiefen Seufzer ließ Anna sich auf die zweite Stufe der Treppe sinken, die auf die Veranda ihres Zuhauses führte. Gequält schloss sie die Augen und ließ den Kopf in den Nacken fallen. Wie hatte alles nur so furchtbar schief laufen können? Oder nein. Warum fühlte es sich an, als sei alles schief gelaufen. Wo doch eigentlich fast alles so gekommen war wie geplant?

 

Teil 1 – 5 Tage zuvor, 8. Mai

Anna

„Liz, was soll ich nur machen? Dein Bruder wird mich NIE fragen, ob ich mit ihm zu dem Fest gehe. Er nimmt mich ja nicht einmal wahr.“

„Anna, das ist Unsinn. Natürlich nimmt er dich wahr. Er ist eben einfach nur schüchtern. Wie könnte er dich nicht wahrnehmen? Du bist ständig hier. Du warst schon immer ständig hier. Das wäre als würde er die Couch oder den Fernseher nicht wahrnehmen. Und du wirst mir zustimmen, dass er die sehr wohl wahrnimmt.“

Annas Lachen klang fast amüsiert, erstarb aber fast augenblicklich wieder. „Ja genau. Er nimmt mich wahr wie ein Sitzmöbel. Ich bin eben einfach da und gehöre zum Inventar.“

Liz verdrehte die Augen, die genauso grün waren wie die Augen ihres Bruders. Moosgrün mit winzigen goldenen Sprenkeln. „Du weißt genau, dass ich es nicht so gemeint habe. Aber ich habe vielleicht eine Idee, wie ich ihn dazu bringen könnte, dass er dich um ein Date für das Sommerfest bittet.“

„Ich weiß nicht. Ich will doch, dass er freiwillig und von sich aus mit mir dahin geht. Außerdem sind es nur noch ein paar Tage. Bestimmt hat er schon längst eine Begleitung.“ Kaum hatte sie den letzten Satz beendet schnerrte das Haargummi aus ihrer Hand und landete vor Liz‘ Füßen auf dem Boden. Immer, wenn sie nervös oder aufgebracht war suchten ihre Finger nach einer Beschäftigung.

Während Liz antwortete bückte sie sich nach dem Haargummi und gab es Anna zurück. „Ach, zufällig weiß ich eben genau, dass er keine Verabredung hat. Und außerdem würde ich ihn ja auch nicht zwingen oder erpressen, damit er dich mitnimmt. Für wie einfallslos hältst du mich?“ Sie war schon wieder kurz davor mit den Augen zu rollen. Anna erkannte es ganz genau am Ton ihrer Stimme, die wie immer ein wenig zu hoch war um angenehm zu klingen.

„Naja, wenn du meinst du schaffst es, ihn durch subtile Beeinflussung dazu zu bringen, mit mir auszugehen … Einen Versuch ist es wert.“

„Oh yeah Babe. Subtil ist mein zweiter Vorname!“, gab sie mit bemüht tiefer Stimme zurück und wackelte dabei verheißungsvoll mit ihren Augenbrauen, die genau die gleiche Kupferfarbe hatten wie die langen, glatten Haare auf ihrem Kopf. Anna stimmte in das Gelächter ein.

„Ist ja gut, ist ja gut. Ich lasse dich machen. Und wenn du es nicht schaffst, muss eben Mike zu Hause bleiben. Dann werde ich nämlich doch als DEINE Begleitung mitkommen!“

Jedes Jahr am letzten Mai Wochenende fand das Frühsommerfest der Familie Lacey statt zudem Liz‘ Großeltern die komplette Verwandtschaft auf ihren Hof einluden. Anna liebte das Fest, zudem sie Liz die vergangenen 10 Jahre begleitet hatte. Doch in diesem Jahr würde die Ehre Liz‘ festem Freund Mike gebühren. Anna hatte das von Anfang an klar gestellt. Doch je näher der Termin rückte, desto trauriger wurde sie, dass sie in diesem Jahr nicht dabei sein würde.

 

Jay

„Du willst dass ich was tue?“ Lachend schaute Jay von seinem Handy auf und zu seiner Schwester die mit einer Schüssel Cornflakes auf der anderen Seite des Tisches saß. „Warum fragt Anna nicht einfach bei Kyle, ob er sie mitnimmt? Und verdreh jetzt nicht wieder die Augen!“ Er hob drohend den Zeigefinger. „ Ich will wirklich und ehrlich eine Antwort, wenn ich euch helfen soll. Außerdem kann ich sie doch einfach einladen, wenn euer Herz dran hängt?“

„Jay. Du hast noch nie jemanden mitgebracht. Willst du wirklich deinen Womanizer-Ruf aufs Spiel setzen?“ Anna schob sich einen Löffel ihres Frühstücks in den Mund und deutete dann mit dem Löffel auf Jay während sie weitersprach. „Und außerdem ich glaube ich, dass Anna ihn wirklich mag. Und ich glaube, dass Kyle Anna wirklich mag. Und während Anna es inzwischen zugibt ist Kyle noch meilenweit davon entfernt es sich einzugestehen.“

„Ja und? Das ist doch kein Grund.“

„Doch. Du weißt, dass beide hoffnungslose Romantiker sind. Und deswegen muss Kyle den ersten Schritt machen. Und eine Einladung zum Sommerfest wäre der p-e-r-f-e-k-t-e erste Schritt.“

Einen Moment saßen sich beide schweigend gegenüber und lieferten sich ein Blickduell.

„Na gut, ich mach’s. Aber nur weil du recht haben könntest.“

 

 

Teil 2 – 9. Mai

Anna

Sie wusste nicht so genau, was Liz ausgeheckt hatte. Doch ihre Freundin hatte ihr schon früh am Morgen eine kurze Nachricht geschickt um ihr zu sagen, dass alles nach Plan liefe. Ob sie den Plan wohl mit ihr teilen würde? So wie sie Liz kannte würde diese wohl ein großes Geheimnis daraus machen.

Während Sie die Bücher für die ersten beiden Stunden in ihrem Spint suchte, blickte sie den Flur hinunter und hielt nach Liz Ausschau. Sie winkte ihr kurz zu, als sie ihre Freundin den Flur herunterschlendern sah, flankiert von ihren Brüdern die beide fast einen Kopf größer waren.

Als Liz sich nach einer kurzen Begrüßung neben sie stellte um ihre Bücher aus dem benachbarten Spint zu nehmen, registrierte Anna eine Bewegung in ihrem Augenwinkel. Sie drehte den Kopf, um zu sehen, was oder wer da ihre Aufmerksam zu erregen versuchte. Jay, Liz‘ ältester Bruder hatte sich noch einmal umgedreht und auch Kyle blieb nun verwundert stehen. Jay lächelte sie plötzlich an und deutete auf den blauen Rock den sie trug.

„Der steht dir gut. Du siehst hübsch aus heute.“ Augenblicklich spürte Anna die Hitze, die ihren Nacken hinauf kroch und dann blitzartig auf ihr ganzes Gesicht übergriff. Sie musste leuchten wie eine reife Tomate.

„D… Danke!“ stotterte sie. Jay schien von ihrer Reaktion kaum Notiz zu nehmen. Er zwinkerte ihr nur kurz zu und setzte dann seinen Weg wieder fort. Kyle starrte noch für den Bruchteil einer Sekunde wie vom Donner gerührt von ihr zu seinem Bruder und folgte diesem dann ebenfalls.

________________________________________________________________________________________________________________________

So nun habt ihr Alle Texte gesehen und vielleicht sogar schon gelesen und könnt euch fleißig ans bewerten machen.
Wichtig ist noch, dass ihr irgendwie in den Kommentaren oder mir persönlich Bescheid gebt dass ihr bewertet habt, wenn ihr in euren Kommentaren nicht den Namen hinterlasst.
Ich bin ziemlich gespannt auf all die Bewertungen und die kommenden Runden und wünsche euch jetzt erstmal ein wunderschönes Wochenende.